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Sandra Walzer, Fräulein Ideenfinderin

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Umziehen mit Brille

Dass es mehrfache Interpretationsmöglichkeiten des Begriffs „umziehen“ gibt, ist mir durchaus bewusst und an dieser Stelle Absicht. Der aktuelle Anlass nämlich ist schuld, dass ich aus diesem Blogbeitrag genau genommen gleich zwei Blogbeiträge machen kann und will und werde. Der Doppeldeutigkeit geschuldet.

Umziehen im Sinne von umkleiden

Kümmern wir uns zunächst um die (für viele Frauen, möglicherweise auch für so manchen Mann, man weiß es nicht, ahnt es aber) naheliegende Bedeutung. Diese bezieht sich auf Kleidung. Umziehen also, könnte auch umkleiden heißen. Zum Beispiel in Umkleidekabinen. In Geschäften, die Kleidung verkaufen. Wer Brille trägt, kennt das folgende Szenario vielleicht möglicherweise bestimmt ziemlich sicher: „Mal eben ein T-Shirt anprobieren“ ist da so eine Sache. Nicht alle Umkleidekabinen sind so komfortabel eingerichtet, dass es dort eine Ablagemöglichkeit für die Brille gibt. Wenn es gut läuft, gibt es zumindest einen Stuhl, wenn nicht – nichts. Dann bleibt die Brille eben auf der Nase.

Je nach anzuprobierendem Kleidungsstück allerdings wird es jetzt tricky. Erst mal das, was man so am Leib trägt, ausziehen. Mit Brille (und Dreads). Da wartet also

Herausforderung 1:

Brille nicht mit dem Oberteil oder den Oberteilen rasant von der Nase ziehen.

Ist das geschafft, wartet

Herausforderung 2:

Das eventuell bald neu im Kleiderschrank einziehende Teil anziehen, ebenfalls mit Brille.

Gleicher Schwierigkeitsgrad, andere Richtung: Jetzt darauf achten, nicht plötzlich die Brille im Ausschnitt oder, schlimmer, auf dem Boden suchen zu müssen. Ist auch das geschafft, ist zumindest der Blick in die Spiegel gleich ein (hoffentlich) sehenswerter, weil direkt klare und scharfe Sicht. Es sei denn, man hat bei diversen Rettungstaten zu schnell und instinktiv zugegriffen und mit den Finger die Gäser vertapst. Wird dann eben unter Kollateralschaden verbucht, geht schon irgendwie. Logischerweise folgt dann, unabhängig von der Entscheidung pro oder contra neues Kleidungsstück das Ganze vice versa, neues Teil aus, angehabtes Teil an. Mehr tückische Fall-Fallen, mehr Tapser.

Nicht so einfach, das Umziehen mit Brille. Gilt selbstverständlich nicht nur für Umkleidekabinen im Laden, sondern auch in Schwimmbädern (gut, da gibt es meistens Ablageflächen), in Sport-Umkleiden, … Mein Tipp dazu: Brillenetui mitnehmen, wenn Sie wissen, dass Sie die Brille im Lauf des Tages abziehen werden. Die Ungetüme sind schwer und nehmen Platz weg, ja, aber bei Shoppingausflügen leisten sie wirklich gute Dienste. Lohnt sich.

Brillenplatz im Schrank

Und zu Hause? Da ist immerhin genug Platz, die Brille aus der Gefahrenzone heraus zu bringen und sicher zu platzieren. Zu Hause bringt mich dann auch schon zu Interpretation 2, der Umzug von einem Wohnort zum anderen. Manches Mal im Leben (bei mir schon häufiger) ändert sich die eigene Adresse. Dann heißt es: Kisten packen Kisten packen, Kisten packen, zu Beginn noch fein säuberlich und ordentlich und mit Hingabe und Fingerspitzengefühl und Vorsicht. Je weiter dieser Prozess fortgeschritten ist, je länger das ganze Procedere dauert und je näher der tatsächliche Umzugstermin rückt, desto mehr kommt das (badische) Motto einer weisen Freundin zum Tragen: „Druff gschisse!“.

Dann wird gestopft und gedrückt, was das Zeug und der Sack und die Kiste hält. Egal. Hauptsache eingepackt. Wird sich schon alles wiederfinden. Was allerdings diverse durchaus bedeutungsschwerere Kollateralschäden bedeutet, oder auch: „Bissl Schwund is immer“. Schwund? Brillen? NIEMALS. Die wertvolle Fracht darf im Leben nicht in irgendeiner Kiste verschwinden, am Ende noch durch den LKW geworfen oder unter viel zu schweren anderen Kisten begraben werden.

Brillenfräuleins Brillen ziehen ein

Was also tun? Man nehme eine Tasche, in meinem Fall: einen Rucksack. Und packe die Brillen in ihren Etuis hinein. Manch eine/r wird wohl denken, kein Ding, hinein damit. Nunja. Brillenfräulein wäre nicht Brillenfräulein, würde sie nicht DEN GANZEN RUCKSACKE FÜR ALLE BRILLEN BRAUCHEN. Kein großes Thema zum Bloggen, ich weiß, kein bedeutendes Thema für die Welt, aber für mich.

Plötzlich musste ich lachen, in all diesem Chaos. Zwischen all den Kisten und Kästen und Kartons, zwischen allen Säcken und allem Zeug war das ein kleines absurdes Highlight, das mich lachen ließ. Laut. Und diese Augenblicke, die braucht es. Die zeigen einem, wer man ist. Und dass das schon gut so ist.

Über die Autorin

Sandra Walzer ist Fräulein mit Brille: Storyteller, Brillenbloggerin. Ich erzähle die Geschichten durch zwei Gläser gesehen und kämpfe gegen die Tücken und Flecken des Brillenträgerinnenalltags.

Kommentare

  • Wibke Ladwig
    20. Oktober 2015

    Ha, am allerschlimmsten beim An- wie auch Umziehen finde ich enge Halsausschnitte oder gar Rollkrägen. Wie oft habe ich schon gedacht, das müsse auch mit Brille auf der Nase gehen. Zumal, wenn man schon halb im Pulli steckt, sich selbst mit den Ärmeln gefesselt hat und weit und breit keine Ablagestelle für eine Brille ist – an die man ohnehin nun nicht mehr drankommt. Zack, irgendwie den Scheitel durchwursteln und dann …. aaaaaaarghs …. drücken sich die Brillengläser auf die Augenlider und: FETTFLECK. Ich HASSEHASSEHASSE das. Sowieso: Umkleidekabinen. Seufz.

    Es gibt nur eins, das schlimmer ist, als fettige Finger- oder (Fremd-)Nasentatscher auf den Brillengläsern von außen: Fettige Tatscher von innen! Das ist ein Tick von mir. Das ertrage ich nicht. Komischerweise ist es kein Problem, wenn die Brille mir im Laufe des Tages zuschliert und ich mich abends wundern muss, überhaupt noch etwas zu sehen.

    Aber Tascher von außen oder gar von innen? Wääääääh!

  • De Chareli
    23. Dezember 2015

    Ganz übel beim Umziehen/Umkleiden: Brillen mit nur sehr lose befestigten Silikon…, na diesen Dingern auf der Nase halt, was weiß ich, wie das heißt. Nasenhalter? Egal. Jedenfalls in der Kabine ist es jedesmal das Gleiche: ? auf der Nase, Pulli über den Kopf, Brille auf dem Boden. Brille wieder aud die Nase. So weit, so gut. Zwei Tage später: Roter Fleck auf der Nase. Sch… das Silikondings ist weg! Eins. Gottlob ist mein Optiker ein guter Christ und spendiert mir regemäßig so ein Silikondings. Möge er lange leben!

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