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Sandra Walzer, Fräulein Ideenfinderin

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Warum mein August dieses Jahr supernett wird – und Ihrer vielleicht auch

Die Idee hatte ich schon länger und, nebenbei bemerkt, ganz ohne Inspiration von außen, ellerbätsch. Es muss doch möglich sein, jeden Tag jemandem etwas Nettes zu sagen. Der Kassiererin an der Kasse, dem Gassigänger am Bach, dem Fahrradfahrer, der grade vorbeikommt, kann ich doch auch was Nettes hinterherrufen. Dem Paketboten, der Nachbarin, der Kundin, dem guten Freund, Papa, Mama, dem Liebsten. Wie lange ließe sich das durchhalten? Eine Woche? Klar. Einen Monat? Ein Jahr? Hm.

Haben Sie heute schon was Nettes gesagt?

Ein Monat muss doch wohl möglich sein. Einen Monat lang jeden Tag jemandem etwas Nettes sagen, Fremden oder Bekannten, Komplimente oder wenn wer was verloren hat, aber jedenfalls: nicht den Mund halten. Es aussprechen. Denn den Mund halte ich viel zu oft, das merke ich grade fast jeden Tag während der Tagesschau. Weil ich mich kenne und weiß, was ich kann und was nicht, was mir schwerfällt und was mir nur schwerfällt, weil es Überwindung kostet, weiß ich, ich will auf meine Art den Mund aufmachen.

Als dann auf dem Morgenspaziergang ins Heimbüro der so gern gehörte Podcast in seiner „Gut drauf im Juli“-Folge aufrief, „Jeden Tag eine supernette Tat!“, das war ungefähr auf Höhe der Lieblingsbrücke über den Bach, da stand für mich fest: Ich mach da mit. Ich mach jeden Tag was Supernettes. Oder ich versuche es zumindest, und das ist doch auch schon was Gutes. Ich bin dann ja supernett zu mir, wenn ich mir verzeihe, dass es nicht klappt. Aber das wollen wir mal nicht herbeireden, also noch mal: Ich will im August jeden Tag was Supernettes tun.

Warum?

Nicht, um mir selbst zu applaudieren, das wäre ja volles Programm Thema verfehlt. Auch nicht, um mir Lob und Schulterklopfen von anderen abzuholen. Sondern weil der Wunsch von Matze Hielscher ein richtig toller Wunsch ist. Im August gemeinsam 1.111 gute Taten vollbringen. Und weil ich Gutes mag und an den Mut zum Guten glaube, fasse ich mir ein Herz: Fräulein ist dabei. Und supernette Sachen machen ist sogar noch besser als jemandem einfach nur was Nettes sagen.

1. August, heute: Whuu, es wird ernst. Meinen Namen habe ich schon am Montag in die Tabelle eingetragen. Da steh ich nun, Fräulein Walzer in Spalte H (HA!), und komm aus der Nummer nicht mehr raus. Gut so. (Klar könnte ich mich wieder löschen, aber hey, mitgefangen, mitgehangen. Challenge-Schulden sind Ehrenschulden.) Jetzt also schnell überlegen, was heute supernett sein kann, und morgen und übermorgen und alle Tage des Monats. Ah, ich habe da schon die eine oder andere Idee.

Wenn Sie auch eine haben: Verraten Sie sie mir, unten in den Kommentaren. Das wäre voll supernett. Ich übernehme das dann auch gern in meine Tatenliste. 31 Augusttage sind genug Zeit für viele supernette Sachen. Und wenn Sie selbst mitmachen wollen, auja, je mehr Menschen, desto besser und desto größer die Chance auf die 1.111 supernetten Taten. Hier geht’s zur Liste. (Gilt das schon als supernette Tat? Klar gilt das als supernette Tat! Teilen ist toll, sharing is caring, sharing is supernett. *trägt ein*)

Der Countdown läuft: noch 30 supernette-Taten-Tage

Für heute: Haken dran. Ich komme die nächste Zeit dann immer mal wieder hierher zurück, berichte über Zwischenstände und ziehe am Ende ein Fazit. Aber jetzt geht’s erst mal zum 2. August. Aufs Rausgeld verzichten, supernett die Tür aufhalten, ein supernettes Kompliment machen, an der Kasse jemanden supernett vorlassen … #Fräulein Supernett

Ich bin dann mal weg. Die Welt gut machen.

Aktualisierung 16. August

Wie versprochen eine erste Aktualisierung; Sie wollen vielleicht wissen, wie der supernette August läuft? Er läuft prima. Jeden Tag macht es mehr Spaß, die “supernette Tat” hat ihren festen Platz in meiner Aufgabenliste und ich mag, mich von anderen supernetten Taten inspirieren zu lassen. Denn ja, die Tabelle füllt sich, Stand heute sind wir bei 603 netten Taten. Ich habe bisher keinen Tag verpasst, darauf bin ich tatsächlich ein kleines bisschen stolz. Allerdings sind Taten in der Tabelle, da ziehe ich ehrfurchtsvoll alle Hüte und bin dann doch wieder still, wenn ich mal nur … Ja, was eigentlich?

Ich habe bisher unter anderem

• diesen supernetten Blogbeitrag geschrieben und darauf aufmerksam gemacht
• bei einer Buchrezension eines Blogs einen superbegeisterten Kommentar hinterlassen
• mich mit einem supernetten älteren Herrn kontrovers über Tätowierungen unterhalten
• Pakete für die Nachbarn abgeholt und vorbeigebracht
• 20 Euro an Medica Mondiale gespendet
• die Fenster bei den Nachbarn geschlossen, weil Sturm
• Freunden zugehört
• Hilfe angeboten
• Komplimente verteilt
• eine supernette Bewertung für einen Lieblingsladen geschrieben

Und Sie so?

Aktualisierung 4. September

Da ist sie schon zu Ende, die supernette Zeit. Und ja, natürlich habe ich darüber nachgedacht, ob sie überhaupt zu Ende sein muss. Matze und Philip haben in ihrer Podcastfolge zum August auch noch einmal über die Challenge gesprochen, ihr Fazit und die Gewinner gezogen und ach, es ist schon seltsam, dass ich dann doch irgendwie ein bisschen enttäuscht und ein bisschen neidisch war. Denn viele haben es nicht durchgezogen, wirklich jeden Tag ihre supernette Tat einzutragen, sie überhaupt umzusetzen. Da denkt man automatisch, man sei was Besonderes. Bekloppt, aber wohl nicht zu vermeiden, zumindest bei mir nicht. Dennoch: Es hat Spaß gemacht, es hat mich herausgefordert, zum Nachdenken gebracht und sich gut angefühlt.

Viele der Fragen, die sich auch Matze und Philip gestellt haben, kenne ich und habe ich noch nicht für mich beantwortet. Zum Beispiel, ob es arrogant oder großkotzig rüberkommt, wenn man supernett ist und das auch noch jeden Tag für alle sichtbar aufschreibt. Oder ob es tatsächlich supernett ist, wenn man etwas tut, das man sowieso getan hätte. Oder grade nicht. Oder … Puh. Was ich definitiv auch erfahren habe: Dass man eher mal den Müll aufhebt oder irgendwo mit anpackt, was man sonst nicht würde – nur der Challenge wegen. Verrückt. Und vor allem: Lasse ich den Müll jetzt wieder liegen?

Alle Teilnehmer haben diese supernetten Taten vollbracht, ich habe seit dem 16. August

• noch mehr supernette Bewertungen für supertolle Läden geschrieben
• eine Postkarte an eine “nur” virtuell Bekannte geschickt
• einem Eintrittskartensammler im Stadion geholfen
• Müll aufgesammelt
• mit einem Obdachlosen gesprochen

und frage mich, ob es auch davon abhängt, was man den Tag über so tut, wie/was dann noch Supernettes hineinpasst. Wer zu Hause arbeitet, trifft zum Beispiel unterwegs keine Menschen, die eine helfende Hand benötigen, oder hat keine Kolleg*innen, die sich über Kuchen/frische Blumen/offene Fenster freuen. Ist supernett sein einfacher für Angestellte? Das ist ja, mit Verlaub, auch Blödsinn. Und doch: Es bieten sich unterwegs und unter Menschen mehr Möglichkeiten, zumindest fühlt es sich so an.

Und jetzt?

Gestern, am 3. September und damit bereits out of Supernett-Challenge, war ich spazieren und habe eine Schraube mitten auf dem Weg liegen sehen. Bin dran vorbei gelaufen. Bin wieder umgedreht, habe die Schraube gesucht, gefunden und mangels Mülleimer auf die Seite geworfen, damit kein Fahrrad drüberfährt und sich einen Platten holt. Auch, weil ich selbst da lang fahre, aber eben auch für alle anderen. Ich war noch im Supernett-Modus und das hat sich gut angefühlt. Ist es überhaupt schlimm, dass man sich gut fühlt, wenn man supernett ist? Wenn das der Antrieb ist für supernette Taten? Das Ergebnis zählt. Oder? Vieles, das weit über den August hinaus in mir arbeitet und Nachbereiten bzw. Nachdenken verlangt. Geht’s Ihnen auch so?

Über die Autorin

Sandra Walzer ist Fräulein Walzer: Storyteller und Selbstmarkenninja. Brillenbloggerin. Fußballautorin. Ich schreibe privat seit etwa 30 Jahren, texte beruflich seit 1997 und bin selbstständig seit 2010.

Kommentare

  • Barbara
    4. September 2018

    “Nett” ist nicht der kleine Bruder von Scheiße, sondern der große Bruder von “liebenswert” und “aufmerksam”. Und mit Nachnamen heißen sie Gutmensch und auch das ist gar nicht schlimm.
    #supernett ist #supergut

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