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Sandra Walzer, Fräulein Ideenfinderin

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Pantone Fächer und Pantone Brille auf dem Tisch von Sandra Walzer

Entschuldigung, Sie haben da etwas Farbe auf der Nase

Pantone begleitet mich seit über 20 Jahren. Oder begleite ich Pantone? Damals, in der Werbeagentur, als noch mehr gedruckt und nur wenig online veröffentlicht wurde, als die Druckabnahme noch zum täglichen Geschäft gehörte und Daten via (heute antiquiertem) Datenträger von A nach B gefahren wurden, da lernte ich, was Sonderfarben sind.

Ein Buh für die Post-PDF-Potzblitzpräsentation, was Pantone damit zu tun hat und warum Brillen dazu passen

ZIP-Wechseldatenträger, kennen Sie die noch? Kannten Sie die überhaupt? Super fancy, in den hippen Werbeagenturen am Platze, und vermutlich auch in den weniger hippen, da gehören die dunkelblauen Dinger dazu. 1 MB passte drauf, Welten mehr als auf Disketten. Ein Megabyte, versuchen Sie sich das mal vorzustellen. Und das war damals schon viel. Jedenfalls, Druckdaten, vierfarbig, wenn’s richtig gut lief mit Sonderfarbe. Pantone eben. Die Pantonfächer begleiteten mich, machten aus Praktikantenfräulein erst das Ausbildungsfräulein, dann das Juniortexterfräulein, irgendwas das Textundkonzeptionsfräulein und schließlich das Creativedirectorfräulein, ehe ich zum Selbstständigfräulein und Dozentenfräulein wurde, was ich bis heute bin – immer mit Pantonefächer am Start.

Was Text mit Sonderfarbe zu tun hat? Na: Zum einen lassen sich Text und Konzept nicht trennen, das war auch anno 1997 so, und schon in Ogilvys und Mad-Men-Zeiten in den Fünfzigern und noch früher und auch heute ist das so. Und Konzept wiederum bedeutet, sich auch Gedanken über die Umgebung und Darstellung jenes Textes zu machen, der da für Produkt X oder Unternehmen Y erstellt werden soll. Ende der Neunziger war das eben noch sehr häufig der 4-, 8-, 12-, 16-Seiter (oder mehr), auf akribisch ausgewähltem Papier (Papiermuster im Schrank, herrliche Zeiten des haptischen Erlebens, wie vermisse ich euch), mit vier (oder mehr) Farben. Oder mehr: Da kommt dann Pantone ins Spiel.

Pappenparty

Ich nennen es „das PDF-Zeitalter“, das die digitale Revolution in der Werbebranche (und anderswo) einläutete. Es ist der Kampf Prä-PDF-Pappenpräsentation vs. Post-PDF-Potzblitzpräsentation, und das PDF siegte auf ganzer Linie.

Prä PDF wurde auf Pappen präsentiert; für Nichteingeweihte:

 

• Man nehme schwarze, sehr dicke Präsentationspappen, sowas wie Fotokarton, Format meist A3, manchmal A2, selten A4.

• Man drucke die erstellten Entwürfe in präsentationsfähiger und -würdiger Form aus, meist am großen lauten heftig schnaufenden Laserdrucker, weil cool (und qualitativ besser).

• Man schneide besagte Ausdrucke entlang der hoffentlich mitgedruckten Schnittmarken, entferne den hoffentlich angelegten Beschnitt außenherum und nehme diesen vorsichtig zwischen zwei hoffentlich saubere Finger.

• Man nehme die Sprühkleberdose, betrete den (in der Theorie gut belüfteten, in der Praxis, nunja) Sprühklebedummybastelraum (oder die Ecke direkt am offenen Fenster, über den Autos) und besprühe den Ausdruck vollflächig auf der Rückseite.

• Man positioniere diesen zentriert auf der Pappe und drücke ihn fest, fahre mit behandschuhten Fingern darüber oder justiere den Sitz, bis es passt und gut aussieht.

• Man gehe nach oben zurück, nehme den nächsten Ausdruck und wiederhole die Schritte ab Sprühkleber.

• Man gehe erneut in den Kleberaum, um die Ausdrucke nach Vorgaben des CD oder AD (Creative bzw. Art Director, der, der präsentieren wird und das Klebewerk garantiert noch nicht als gelungen erachtet) neu zu positionieren; oft neue Ausdrucke, auch wenn sich sprühbeklebtes Papier abziehen lässt.

• Man nehme die vorbereiteten Pappen, kleide sich in ganz schwarz, rücke die Vollrandbrille zurecht und präsentiere dem Kunden, gebe ihm das Gefühl des live Erlebens und hinterlasse mächtig Eindruck.

• Man feiere den Gewinn des Pitches oder den Applaus des Kunden und die Freigabe des Konzepts, der Kampagne, des Präsentierten.

 

Klischee, Phrasen, pipapo, weiß ich, und doch habe ich es häufig genau so erlebt, gesehen, selbst ausgeführt. Inklusive Sprühkleber am offenen Fenster, auf Lunge, guten Appetit. Wahrscheinlich wird Ihnen jetzt einiges klar, hm? Es ist dabei nicht alles goldener Nagel, was da glänzt, und nicht alles umwelttechnisch einwandfrei, was sprühbeklebt ist, das weiß ich wohl. Die vielen Ausdrucke, der viele Sprühkleber, die vielen Pappen, schon klar. Dennoch: Mit Aufkommen der PDF-per-E-Mail-Präsentiererei ist etwas verloren gegangen, das nicht mehr zurückgeholt werden konnte, oder es hat einfach niemand versucht. Das Gefühl des Besonderen, die Wertschätzung, der Eindruck, das Erlebnis, das alles ist auf der Strecke geblieben. Die Chance, mit leuchtenden Augen und echter Begeisterung zu zeigen, was man erarbeitet hat, was man sich dabei gedacht hat, wie das Ganze entstanden ist. Zu präsentieren, wie der Ursprung einer Präsentation mal gedacht war.

Pimp your Persönlichkeit

Was geblieben ist, in all der Zeit: Pantone. Krasse Kurve, tut mir leid, halten Sie sich gut fest, ich sprühe auch ein bisschen Sprühkleber für den besseren Halt. Letztlich hängt doch alles zusammen. Pantone also, Hersteller von Druckfarben, Anbieter von dem, was uns seinerzeit half, etwas groß rauskommen zu lassen. Wenn es genau dieses Blau, auf keinen Fall mehr Rot oder weniger Gelb sein musste. Was wären magenta Telekommunikationsanbieter und andere ohne Sonderfarben? Die geben die Gewissheit, immer in der exakt passenden, immer gleichen Farbe aufzutreten, ein Segen fürs Corporate Design und Balsam auf geschundene Designerseelen.

Und heute, online? Was brauchen wir da exakte Druckfarben, wo doch jeder Bildschirm anders kalibriert ist, eine Farbe in drölfzillionen Nuancen dargestellt und als Hex-Code angegeben wird? Hier grau, dort fast weiß, hier rot, dort pink, ein Graus. Ich sag’s Ihnen: Wir brauchen Pantone, weil sie mehr sind als ein Farbenmischer. Pantone hat verstanden, was Farbe bedeutet, wo Farbe auftritt und warum Farbe sogar Einfluss auf unser Seelenheil hat. Nicht nur bei Designern, übrigens. Und weil Pantone weiß, was eine gute Präsentation ist.

Pantone befriedigt Sammlersehnsüchte mit Tassen, Weihnachtsbaumkugeln, Notizblöcken, Smartphonehüllen, USB-Sticks, Bilderbüchern und vielem mehr. Die Lieblings- und/oder Hausfarbe auf dem Kaffeebecher, 100 Prozent Personalisierung, absolute Identifikation. Personal Branding rocks! Darüber erzähle ich Ihnen an anderer Stelle noch mal richtig viel mehr, wenn’s um Selbstmarken geht. Pantone ist außerdem auch fürs Packaging da, für jene, die Verpackungen erfinden und herstellen, für Interior Designer, Pantone funktioniert auch auf Kunststoffen, Textilien, als Beschichtung, in der Kosmetik. Kurz: Pantone ist immer dann und überall da wichtig, wo nach einem besonderen, durchgängigen, farbigen Auftritt verlangt wird.

Und jetzt: Brillen

Nach Farbe verlangt es mich auf der Nase ja auch gerne mal, obwohl ich zuletzt sehr an Rosé und Gold hänge. Dennoch: Bunt ist das Leben und granatenstark. Je bunter, desto hurra, und deshalb begeisterte mich die Nachricht, dass es nun, nach Christbaumkugeln und Co., Brillen von mit in Pantone gibt. 2009 war da schon mal was, aber jetzt: Lese- und Sonnenbrillen, ganz frisch, in verschiedenen Formen und herrlich satten Farben. Zum Beispiel No. Two, in Panto-Form. Die Pantone-Panto, PANTOne, quasi, und allein damit haben sie mich ja schon. Warum nur haben sie aus dieser Grandiosität nicht mehr gemacht? Leute: Bucht konzeptionsstarke Texter!

Pantone Lesebrille im Etui mit Box Pantonfächer und Pantonebrille mit Brillenetui auf dem Tisch von Sandra Walzer

Oder auch No. One in schmal oval, No. Three in typisch Nerd, No. Four in etwas weniger hoch. Für mich wären es Panto(ne) oder Nerd, die schön große rechteckige Form. Und die Farbe? Hui, am liebsten alle, aber vor allem mag ich ja Gelb, Orange, Rot und dieses Hellblau (der Pantone-Code fehlt mir; daran sehen Sie, was der Vorteil von Pantone ist. Eindeutige Definition statt „dieses Hellblau“).

Sie haben da etwas Farbe auf der Nase

Brillen + bunt = Bombenkombi. Und weil Pantone zwar bei Farbe vorneweg geht, aber kein Eyewear-Spezialist ist, haben sie sich mit Afternoon Eyewear zusammengetan. Herausgekommen ist eine farbenfrohe Kollektion aus reinen Lese- und kombinierten Lese-Bildschirmfilterbrillen („Screen Protect“). Sogar eine Version für Kinder wird angeboten. Verfügbare Stärken:

+0

+1

+1,5

+2

+2,5

+3

Die Brillen greifen „die charakteristischen Markencodes auf“ und kommen in einer hübschen Box, alles farblich passend und im typischen Pantonelook. Mir fällt auf: das sehr softe, leichte und dabei trotzdem robuste Material, der weiche Griff, „Pfirsichhaut“ nennen die Hersteller das, damit sitzt die Brille sehr angenehm. Die Bügel mit flexiblem Federscharnier (ein Feature, das ich bei meiner Arbeitsbrille sehr zu schätzen weiß) wirken wie in den weißen Farbtopf gedippt, mit Panonte-Logo außen, dazu gibt’s ein leichtes Stoffetui im passenden Design, das gleichzeitig als Putz- bzw. Trockentuch verwendet werden kann. (I like!) Die Brille übrigens steckt auf einem Stück festem Papier; drauf steht: „This is a bookmark“. Ein durchaus stimmiges Gesamtpaket.

Wenn Sie’s also sonderfarbig wollen und sowieso nach einer Lesebrille suchen: Probieren Sie doch mal Pantone. Macht garantiert gute Laune. Über die Qualität der Gläser kann ich nicht viel sagen – Lesebrille brauche ich keine; ich bin kurzsichtig, da ist nichts für mich dabei. Aber wenn Sie wollen, erzählen Sie doch unten in den Kommentaren von Ihrer Erfahrung damit. Ich bin neugierig.

Pantone Brille mit Etui auf Pantonefächer von Sandra Walzer Pantonebrille mit Bookmark, Etui und Box bei Sandra Walzer

Schlusswort zur Präsentation

Nein, nicht „danke für Ihre Aufmerksamkeit“, das werfen Sie bitte aus Ihrer Präsentation ab jetzt und für immer heraus, sondern noch ein paar Sätze in Sachen für und wider PDF. Sicher muss ein Plakat in nullkommairgendwas Sekunden funktionieren, die Anzeige ebenso, die Headlines im Blogbeitrag. Und trotzdem. Ich plädiere für die Präsentation, die echte, die gute alte. In der ich Leidenschaft und Leitgedanken teile. Pro Präsentation! *bastelt Schild (ohne Sprühkleber)* Das ist auch der Grund, warum ich hier nicht einfach nur über die Brille spreche, sondern über das Pantone-Imperium und das Sonderfarbengefühl. Es hatte immer was von Luxus, wenn ein Kunde bereit war (und ist!), in Sonderfarbe(n) zu drucken. Das zieht sich durch, selbst wenn es um Christbaumkugeln oder Lesebrillen geht.

Nebenbei bemerkt: Die Leitfarbe hier auf walzer.frl erinnert verdächtig an Pantone Cherry Tomato, Teil der 12-Farben-Trendpalette Frühjahr 2018. Kirschtomate? Fein! Damit kann ich hervorragend leben, ich liebe Kirschtomaten. Und wenn ich irgendwann Appetit auf Limelight oder Ceylon Yellow habe (oh ja, das wäre eigentlich … hm … Moment mal eben … *vergleicht Pantone mit Hex-Codes*), tja, dann wird eben gewechselt. Russet Orange und Mellow Rose sind auch sehr schön. Gucken Sie doch mal!

„Bunt ist meine Lieblingsfarbe“ sagte bereits der kluge Walter Gropius, ich stimme ihm zu. Deshalb ist die breit gefächerte Pantone-Palette der Brillenkollektion zum überaus erschwinglichen Preis auch prädestiniert für „ach, die nehm ich auch noch“. Das aber nur als Präsentationsrandnotiz. Und gleich noch eine hinterher: Afternoon kündigt die neue Metal Collection mit „coming soon“ an. Linsen Sie mal auf der Website, das Stück, das wir dazu sehen bekommen, wirkt schon mal allerliebst. Und knallbunt, natürlich.

Zu lang? In kurz:

Von/mit/in Pantone gibt’s jetzt auch Sonnen-, Lese- und Bilschirmfilter-Brillen. In vier Formen und bis zu neun Farben. Mein Favorit: No. Two, die Panto mit Schlüssellochsteg, in Orange oder Rot oder Violett (Pantonefarbe des Jahres 2018 ist immerhin Ultra Violet 18-3838) oder Hellblau. Ach und: Ich plädiere für echte Präsentationen, von Hand und vor Ort.

Disclaimer:

Bezahlt oder beauftragt hat Pantone mich übrigens nicht, nur falls der Gedanke eventuell aufkam. Ich bin ganz freiwillig pantonepositiv eingestellt.

Über die Autorin

Sandra Walzer ist Fräulein mit Brille: Storyteller, Selbstmarkenninja, Brillenbloggerin. Ich erzähle die Geschichten durch zwei Gläser gesehen und kämpfe gegen die Tücken und Flecken des Brillenträgerinnenalltags.

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