Es blinkt auf meinem Display: ein Tweetentwurf.

Vierzehnuhrfünfzigbrillenblick: orangener Müllwagen, orangener Möbellaster, orangenes Fahrschulfahrzeug.

Ich sehe die drei, direkt hintereinander, als ich mir den Nachmittagskaffee hole. Die Tasse: nicht orange. (Nebenbei bemerkt. Könnte aber. Ich notiere mir: „orangene Tasse kaufen“.)

Sofort bin ich alarmiert und inspiriert, klar, das wird mein heutiger „Brillenblicktweet“. Zumal ich die Farbe sehr mag und sogar ein Buch darüber habe. „Orange – Anleitungen eine Farbe zu lesen“ von Alexander Theroux.

Dann denke ich über den Tweetentwurf nach, der da noch offen und nicht abgeschickt blinkt. Denke nach über „orangener“ und „orangenes“ und „orangene“. Hört sich ausgesprochen schon bescheuert an, sieht geschrieben geradezu abstrus falsch aus. Ich befrage, Texterinnentäglichbrot, duden.de und bin wieder einmal so sehr froh darüber, dass es das gibt.

Einschub: Danke, Duden

An dieser Stelle keine Werbepause, sondern ein Danke-Gedanke. Als ich 1997 ins Berufsleben eingetreten bin, da habe ich mit gedruckten Lexika, gedruckten Bildkatalogen und gedruckten Duden gearbeitet. Vor allem Synonym-Wörterbuch & Co. wurden schnell meine besten Freunde, und ich gestehe: Erst beim letzten Umzug sind sie in die ewigen Jagdgründe eingegangen. Mittlerweile ist es völlig normal, mal eben auf duden.de nachzuschauen, einen ganzen Satz oder sogar Text in die Prüfung einzugeben und ja, der digitale Fortschritt hat seine angenehmen Seiten. Danke, Duden. Du bist unverzichtbar, nach wie vor und egal in welcher Form.

Die Adjektivierung der Orange

Orange also. Ein orangenes Auto. Duden sagt: orange/s, also ein orange/oranges Auto, oranges Kleid, orange Blüten, oranger Untergrund. Aha! Schon eher.

Tweetkorrektur.

Vierzehnuhrfünfzigbrillenblick: oranger Müllwagen, oranger Möbellaster, oranges Fahrschulfahrzeug.

Besser, nur noch nicht so, dass ich mich wohl fühle. Aber Fräulein wäre nicht Fräulein, würde mir da keine Lösung einfallen. Das ist schließlich mein Job, auch wenn sich der nicht unbedingt auf meine Twittertätigkeit bezieht. Dennoch, davon, ein wirklich gutes Gefühl mit einem Text zu haben, profitiert nun mal nicht nur mein Bauch, sondern jeder, der mich beauftragt.

Im Buch heißt es „Orange ist eine beherzte, eine ‚Auf-geht’s!‘-Farbe. Sie strahlt, sie singt, sie säuselt, …“. „Orange ist heiß“ heißt es weiter, „wirft das Licht zurück und steht im Zentrum des ch’i (der individuellen kosmischen oder Lebensenergie).“ Ist das nicht wunderhübsch? Dieses „Eine ‚Auf geht’s!‘-Farbe“, das ist dermaßen herrlich … <3 Jedenfalls: Tweetkorrektur.

Vierzehnuhrfünfzigbrillenblick: Müllwagen (orange), Möbellaster (orange), Fahrschulfahrzeug (orange).

Fürs künstlerisch Kreative. Jawoll.

Tweet senden.

Im längeren Text übrigens hätte ich wohl eher die Variante „ein Müllwagen in orange“ bevorzugt. Oder „ein Auto in Müllwagenfarbe“, wenn es nicht wirklich um besagtes Vehikel der Stadt geht. Oder: „Müllwagen, Möbellaster, Fahrschulfahrzeug – und alle orange.“ Möglichkeiten gibt es genug, drei Autos, die orange sind, textlich stilvoll zu beschreiben.

Nachtrag: Irgendwie muss ich an die zuene Tür denken. Darüber haben wir uns mal ernsthaft den Kopf zerbrochen. Bis uns „geschlossene“ eingefallen ist. Den Sprachgefühl sei Dank. Und nein, diese Tür war nicht orange, sondern aus Glas.

Nachtrag 2: Kein Wunder ist Orange eine der beiden „Knalleffektfarben“ im Fräulein’schen Erscheinungsbild. Habe ich mir heute mit sehr gutem Gefühl wieder selbst bestätigt. Genau so übrigens wie das mit der Hausschrift … anderes Thema, das Sie hier nachlesen können, falls Sie etwas über Yoga und Schriften wissen wollen.