Ich liebe Typografie

Schon seit ich in der Werbung herumgeistere, seit ich Grafikdesigner und Illustratoren und Schriftdesigner und „Typolösungen“ für Anzeigen mit ohne Bild kenne, seit ich nah an Gestaltung bin, seit ich weiß, was möglich ist. Zu meinem Glück durfte ich eine Weile den ganz Großen dabei zusehen, wie das so ist, wenn man eine Schrift entwickelt. Worauf es ankommt, welche Liebe man hineinstecken kann. Zum Beispiel den Menschen hinter Slanted, und denen hinter Magma Designstudio.

Das heißt nicht, dass ich mich damit auskenne. Oh nein. Dazu fehlt mir noch viel, aber was mir auf keinen Fall fehlt, sind Interesse, Neugier und Liebe dafür. Ich würde mich gern besser auskennen, aber das ist ein sehr klassischer Fall von „irgendwann mal“ und „ziemlich weit unten auf der Liste“. Trotzdem lese ich gern darüber, sehe mir neue Schriften an und freue mich an wunderbaren Dingen wie dem „Typodarium“, ein Schriftenkalender, der immerhin aus unter anderem dessen Feder stammt, dem ich eine Weile über die Schulter sehen durfte.

Nun, nein. Ich bin wie gesagt und nach wie vor kein Schriften-Profi, aber ich habe diese Zeit mit und neben den Schriftenprofis sehr genossen. Es ist erstaunlich, was sich mit Schriften alles tun und zaubern lässt. Und es ist eine faszinierende eigene Welt. Wie Schriften entstehen, wie diese ganz eigene Sprache dafür Begriffe wie Ligaturen und Serifen hervorgebracht hat, schon vor so langer Zeit, Versalien und Majuskeln und Minuskeln,  Brotschrift und Blindtext, und – natürlich – all die Hurenkinder und Schusterjungen, Halbgeviertstriche und Kapitälchen … Sogar Möwchen gibt es und Ober- und Unterlängen, man kann so herrlich munter drauf los spationieren und den Zeilenabstand anpassen und ach, so viele Möglichkeiten, Buchstaben tanzen zu lassen. Des Texters wahre Freude, das Hübschmachen dessen, was vom Kopf aufs Papier oder auf den Bildschirm hüpft und hopst.

Ich verzettele mich. Aber Typografie ist einfach ein so sehr wunderbares Themenfeld, auf dem ich mich so sehr gern verirre und verlustiere. Man nennt mich, oder ich vor allem nenne mich „Satzzeichenpedantin“, und das nicht nur aus Jux und Dollerei. Ich kann mich ewiglich damit befassen, wie ein Punkt im Gegensatz zum Doppelpunkt oder Gedankenstrich (NICHT Bindestrich) eine Aussage verändert … Und ebenso gern beschäftige ich mich damit, wie eine Aussage in meinen Augen wirkt, je nachdem, welche Schrift verwendet wird. Wie breit läuft die Headline? Lässt sich das noch lesen, oder brauche ich da ein anderes Wort – oder eben eine andere Schriftart?

Des Fräuleins neue Schrift

Schriftart, genau. Das Stichwort, das mich zum eigentlich Kern des ganzen Textes hier bringt. Entschuldigt den etwas lang geratenen Einstieg. Ich habe also für Fräulein Ideenfinderin eine neue Schrift gesucht. Weil die bisherige gezickt hat, weil es ständig und immer wieder alles verrissen hat, und weil … Naja. Weil halt. Weil ich es wollte. Das Logo hatte ich schon aufgefrischt, den Internetauftritt ebenso. Was mir noch fehlte, waren die Drucksachen (ja, ich liebe Gedrucktes, Haptisches, Inderhandzuhabendes und Dranzuriechendes), und eben die passende Schrift dafür. So habe ich mich auf die Suche gemacht, war schon lange nicht mehr und auch während der Suche lange nicht glücklich.

Bis ich schließlich über eine Schrift stolperte, die „Yoga“ heißt. Klar, dass mich der Name angefixt hat. Entwickelt von Xavier Dupré, 2009 schon. Ging irgendwie an mir vorbei, aber nun, man kann nicht alles kennen. Er sagt, oder das Schriftenportal sagt: „ideally suited for advertising and packaging, book text, editorial and publishing, logo, branding and creative industries as well as web and screen design“. Jawohl, danke, das reicht völlig. Letzten Endes ist es mir auch egal, wofür andere die Schrift empfehlen, wenn sie mir doch so gefällt. Und nicht nur der Name, nein, alles passt perfekt. Nicht zuletzt auch die Auswahl an Schriftschnitten, denn in meinen Textdokumenten brauche ich recht viele Schnitte, um Headlines und Anmerkungen, Fließtext und Einklinker, Hervorgehobenes und Kleingedrucktes zu unterscheiden. Mit der Yoga kann ich mich austoben, im wahrsten Sinn des Wortes. Normal und medium und leicht und haarfein und kursiv und medium kursiv und leicht kursiv und dünn und fett und … nun: genug. Mehr als genug für mich und meine Schriftenliebe.

Stopp mal eben.

Genau genommen wollte ich in diesem Blogbeitrag darüber schreiben und philosophieren, warum eine passende Schrift so wichtig ist für das eigene Erscheinungsbild. Aber dann wird das hier ein nicht endender Roman, und ihr verliert womöglich die Lust am Lesen. Oder nicht? Und noch genauer genommen ist das wohl sowieso eher ein Thema für die, die sich wirklich damit auskennen. Aber meine laienhafte Beschäftigung damit ist trotzdem so weit fortgeschritten, dass es mir Bauchweh verpasst, wenn eine Schrift nicht passt. Und umgekehrt: Herzklopfen, wenn sie passt. Für das Fräulein wollte ich, da die Logoschrift schon eine nicht sehr seriöse, eher verspielte und dennoch ausreichend gradlinig daherkommende Schrift ist, etwas nicht zu Ausgefallenes. Dabei aber auch nichts, was jeder schon x-fach gesehen hat und immer wieder gähnend zur Kenntnis nimmt.

Die Yoga ist dafür wunderbar, sie hat das gewisse Etwas, das ich mir so gewünscht habe. Sie lässt sich gut lesen, sie funktioniert in klein und groß, fett und fein … Sie ist es. Genau diese Schrift ist meine Herzenshausschrift geworden. Ich habe mir das große Paket gegönnt, mit vielen Schnitten, siehe oben. Dass trotzdem in offenen Textdokumenten auf so ziemlich keinem einzigen Rechner sämtlicher meiner Kunden diese Schrift vorhanden ist und mein Dokument deshalb oft nicht so sehr hübsch aussieht – geschenkt. Wenn ich Wert darauf lege, dass es aussieht, wie es aussehen soll, schicke ich PDF-Dokumente. Alles andere wäre „in Schönheit sterben“ und gehört dann eben in die Kategorie „pragmatisch“.

In meinen Drucksachen aber, da steht die Yoga in schön. Wunderschön in jedem Buchstaben. abcdefg HIJKLMN opqrstu VWXYZ und 12345 und 67890 und ß und ? (Dieses Fragezeichen, es ist herrlich. So einfach, so besonders, so anders, so schön.) Ihr merkt: Es macht mir einen Heidenspaß, und genau das zählt. Jeden Tag, wenn ich ein neues Dokument erstelle oder ein bestehendes bearbeite, habe ich Spaß. Ich freue mich in jedem Moment, den ich diese Schrift verwenden kann. Und genau das ist der Punkt. Es macht meine Arbeit noch ein Stückchen schöner. Die Arbeit, die ich sowieso schon so mag, mache ich mir damit jeden Tag und mit jedem Projekt noch hübscher. Da geht mir das Herz auf, wirklich ehrlich. Genau so wie mit Stempelfarbe in pink und orange, oder mit den neuen Stehsammlern in schwarz, weiß, orange und pink. Mit Büroklammern in eben diesen Farben … und übrigens auch mit Yogamatte in pink, für die Alltagsauszeit und die Momente zum Durchatmen.

So schließt sich der Kreis, oder der Baum, der Adler, der herabschauende Hund: Yoga gehört in mein Leben, verknotend auf der Matte und jetzt eben auch formulierend auf Papier und Bildschirm. Keine andere Schrift hätte besser passen können. Gut, vielleicht eine, die Fräulein heißt. (Ja, es gibt eine Schrift namens „Mademoiselle“, und auch welche mit „Misses“. Nein, die sind es nicht. Ist ja auch nicht „Fräulein“, mit Umlaut, ein bisschen nostalgisch, deutsch, Schreibmaschinen-Gefühl.)

Kleines, feines, nicht unwichtiges Detail: Neue Fräulein-Font-Familie ist die „Yoga Sans“, nicht die Yoga, obwohl mir diese auch gefällt. Aber ich wollte etwas ohne Serifen, damit es nicht zu „schnörkelig“ wird. Perfekt eben. Einfach perfekt. Und passt zu mir, zu Fräulein Ideenfinderin, zum gesamten Erscheinungsbild besser als alles, was ich bisher schon hatte oder zwischendurch gefunden, aber wieder verworfen habe.

Bevor nun die wahren Schriftenkenner und Typografisten mir eins auf die Rübe geben, weil ich so viel vergessen oder vielleicht falsch benamst oder nicht korrekt verwendet habe: Seht es mir nach. Dafür bin ich mit Herz und Liebe und Leidenschaft dabei. Namasté. Mit Accent. In Yoga Sans.


Sandra, Content Creator

Hi, ich bin Sandra, Storyteller und Content Creator. Confetti Content ist für mich, wenn's hängen bleibt im Kopf. Ich blogge über Confetti Communication und Branding für Soloselbstständige, Tipps für Kommunikations-Pros in Unternehmen, gute Werbung und schlechte Ideen, Merkwürdigkeiten, Magie und mehr Lust auf Außergewöhnliches. Achtung: ab und zu mit Croissant-Krümeln.

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