Die neue Kritzelgeschichte: am liebsten auf Toast. Diesmal erzähle ich dir, warum eine Avocadohälfte auf (d)einer Visitenkartenrückseite prangt, warum ich sie mit gutem Gewissen auf Karte und Brot platziere und was sie auf meinen Füßen zu suchen hat.

Avocado ist erstaunlicherweise kein Gemüse, sondern eine Frucht. Also, Beere. Riesenbeere, die am Persea Americana, am Avocadobaum wächst, und sie gehört zu, Achtung: den Lorbeergewächsen. Kein Wunder hat sie, zumindest in Form der beliebten Sorte Hass, einen solchen Siegeszug gestartet.

Aber das hier wird keine biologische Abhandlung, sondern eine appetitliche. Denn sie gehört ganz klar auf meine Lieblingsessen-Liste, und sie gehört auf getoastetes Brot. Frisch gemahlener Pfeffer, vielleicht sogar ein paar Granatapfelkerne, Ziegencamembert oder Kresse oder …

Avocado, eineHassliebe

Es hat spät angefangen und heftig eingeschlagen. Ich weiß nicht mehr, wann und wie, ich glaube, als Guacamole? Der Klassiker. Und dann zog die Avocado fest bei mir ein und es war und ist und bleibt Liebe. Hassliebe. Weil Hass nun mal die am weitesten verbreitete zu bestzuhabende Sorte hierzulande ist. Sagt die WOA, die World Avocado Organization (was es alles gibt!).

Mittlerweile sind Avocado und ich beste Freundinnen, und das heißt, ich trage sie nicht nur im Herzen und in meinen Mund, sondern auch auf T-Shirt, Socken und Hemd, am Schlüssel und wo immer ich sie kriegen kann. Fast hätte sie es sogar auf ein Paar Schuhe geschafft, aber das war dann doch eine Frage des Geldes. (Uff, wie teuer können bitte Stoffschuhe sein?)

illustrierte avocado

Eine Frage der Ehre ist es übrigens auch. Nicht selten werde ich darüber in Kenntnis gesetzt, wie verwerflich, moralisch, der Genuss der grünen eiförmigen Frucht ist. (Mmmmh, mit Ei, ganz großes Gaumenkino übrigens.)

Avokatastrophe?

Weil ich mir aber mein Lieblingsessen nicht wegnehmen lassen mag, habe ich mich endlich mal damit auseinandergesetzt. Sie senkt den Cholesterinspiegel, macht satt – und die Erde kaputt. Heißt es. Mal sehen. Da wäre der Wasserverbrauch: tausend Liter für ein Kilo, das macht ungefähr drei Stück. Tausend Liter. Für drei Stück. Und dazu wächst sie nicht in Rheinhessen aufm Feld, sondern in Ländern, die elends weit weg sind und wo das Wasser knapp ist; also etwa in Spanien, Israel oder Mexiko. Autsch. Aber sind Anbau und Logistik tatsächlich so eine Ökokatastrophe? Es gibt auch andere Stimmen und Studien.

Die sagen: Kommt drauf an. (Ach was?!) Aber mal im Ernst. Dieser Artikel hier beschreibt das ziemlich gut, wie ich finde, und ja, natürlich gibt es zu jedem Pro- einen Kontra-Text. Ist mir klar. Dennoch, dieser Text ist vom Oktober 2019, also ziemlich aktuell. Und er schaut ziemlich genau hin. Außerdem gilt wie immer auch hier: Auch der Vergleich ist wichtig. Und da verspeise ich sehr viel lieber Avocado denn Schweinefleisch oder Kuhmilchprodukte.

Auch die Eier habe ich reduziert, und den Käse minimiert. In meiner eigenen Betrachtung habe ich mir es deshalb erlaubt: Ja, ich esse Avocado, und das mit gutem Gefühl und hervorragendem Appetit.

Grosses Gaumenkino

Toll an dieser Frucht ist ihre Vielseitigkeit. Sie lässt sich pur genießen und deftig, oder in Süßspeisen wie Kuchen, echt! Vor allem in der veganen Küche ist sie extrem beliebt, taugt als Butter- und Eiersatz. Und gesund, das ist sie auch noch: mit Antioxidantien, Fettsäuren (die guten, die ungesättigten), Vitamine A, verschiedene B, D, E, K1, Mineralstoffe wie Kalium, Calcium, Magnesium, Eisen und mehr.

Augenschmaus Avocado

130 kcal stecken in 100 g Avocadofruchtfleisch, dazu 4 g Kohlenhydrate, 15 g Fett, 4 g Ballaststoffe, 1 g Eiweiß. Sie ist gut fürs Herz und für die Augen, fördert die Verdauung, kann möglicherweise sogar vor Krebs schützen … Sie passt in den Salat und ins Dessert, in Smoothies und Cremes und sie sieht auch noch toll aus (schneller Check: 10,8 Mio. Beiträge zu #avocado auf Instagram, und da sind die Varianten wie #avocadotaost oder #avocadoaddict noch nicht mit drin).

Illustration Cremetube

Oh, übrigens: Sogar Bodylotion mit Avocadoduft habe ich. Und der Duft ist wirklich nah dran. Und die Tube ist grün. Und überhaupt, Avocado.

Auch über die Avocado-Verletzung, oder den „Avocado-Arm“ habe ich gelesen, Eieiei. Ernsthaft? Warn-Aufkleber, weil immer mehr Menschen mit dem Messer abrutschen, beim Aufschneiden? Also ehrlich. Wer eine Avocado nicht unfallfrei aufbekommt, sollte sich an Bananen halten.