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Sandra Walzer, Fräulein Ideenfinderin

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Im Stadion mit Brille

Olé olé: Ich bin fußballverliebt. Seit Jahrzehnten. Was bedeutet, dass ich das Fußballstadion des Karlsruher SC als mein zweites Wohnzimmer betrachte. Das erste Mal live dabei: Mit Papa, 5. November 1988, gegen den 1. FC Kaiserslautern. Derby im Gegnerblock, 4:1 gewonnen, Tochter infiziert. Damals, mit zarten 11, trug ich noch keine Brille, sondern nur ganz stolz das Stadionmagazin, für das ich heute selbst schreiben darf. Ach ja … Nostalgie, andere Geschichte bzw. Geschichten.

Auswärts? Augen auf!

Was folgte, waren unzählige Auswärtsfahrten, immer noch ohne Brille, und noch unzähligere Heimspiele im Wildparkstadion. Seit ich 23 bin eben als Brillenträgerin. Und das ist eine ganz eigene Sache. Jeder, der schon mal live einer solchen Massenveranstaltung beiwohnte, wie es zum Beispiel Fußballspiele in der 1. oder 2. Bundesliga sind (die 3. verschweigen wir charmant), weiß, was das bedeutet. Ellbogen in den Rippen, Rempler von überall, hüpfen, jubeln, nervös zippelzuppeln, aufspringen, runtergefallene Tickets aufheben, schnell umdrehen, weil man eben doch noch … War er das? Das war sie doch! Hey, hallo! So oder so ähnlich läuft das also ab. Klar, kommt immer darauf an:

• welche Liga
• welcher Gegner
• welche Tabellenposition

Aber wenn es voll wird, wie gestern Abend, richtig voll, Relegation 2015. Wenn der KSC kurz vor dem Aufstieg in die 1. Fußball Bundesliga steht: Dann ist schlicht die Hölle los. Ausverkaufter Wildpark, austickende Menschen. Mit 1,69 m Körpergröße bedeutet das, dass die Brille in höchster Gefahr ist. Und die Nase darunter auch. Denn einmal geschubst, kann das verdammt weh tun und möglicherweise sogar Schlimmes anrichten. Dass der KSC diesen Aufstieg nicht geschafft hat … ebenfalls anderes Thema. Hat nichts mit Brille, maximal mit Vereinsbrille zu tun. Oder eben genau nicht, egal.

Markus Kauczinski, 2015 Trainer vom Karlsruher SC, und Sandra Walzer

KSC-Trainer Markus Kauczinski, noch ohne Brille

Heimspiel? Herausforderung!

Aber mal vereinsunabhängig laut gedacht: Ja, ich habe mich mehr als einmal gefragt, ob ich mit Brille ins Stadion gehe, oder ob ich nicht doch auf Kontaktlinsen umsteigen soll – der Sicherheit wegen. Meine Entscheidung: Ach, wird schon gutgehen. Zumal die „harten Touren“, die Bus-Auswärtsfahrten und Sonderzugausflüge, die Flüge weit weg und die Autofahrten durch die Nacht meiner Fanvergangenheit angehören.

Die größten Herausforderungen mit Brille im Stadion sind jetzt: Bierduschen (selten bis nie), Regentropfen (oft), dieses ständige Sonne – Wolken – Sonne – Wolken und maximal noch die stürmischen Umarmungen, wenn ein herausragender Sieg eingefahren wurde (leider nicht gestern). Da könnte ich das mit der Brille im Falle aller Fälle verschmerzen. Und setze nicht grade das Lieblingsmodell zum Relegationsspiel auf. Oder ziehe sie rechtzeitig ab, denn ob nun Blau-Weiß ein Tor schießt oder doch Rot, das erkenne ich auch ohne.

PS: Über Fußball rede ich heute nicht. Aber hier dafür umso mehr. Falls jemand Lust hat.

Über die Autorin

Sandra Walzer ist Fräulein mit Brille: Storyteller, Brillenbloggerin. Ich erzähle die Geschichten durch zwei Gläser gesehen und kämpfe gegen die Tücken und Flecken des Brillenträgerinnenalltags.

Kommentare

  • Petra A. Bauer
    3. Juni 2015

    Liebe Sandra,
    ich dachte immer schon, ich sei die einzige, die diese Stadion-Brillenangst hat. Denn ich sehe ja auch in der Olympiastadion-Ostkurve überall (meist männliche) Brillenträger, die sich offenbar gar keinen Kopp drum machen. Deshalb bin ich lange nur mit “Kontis” ins Stadion gegangen, zumal ich seit 1981 immer nur Kontaktlinsen getragen habe. Bis vor ca anderthalb Jahren, als ich zusätzlich zu meiner Maulwurfskurzsichtigkeit auch noch extrem weitsichtig wurde. Und da ich nun schon gar nicht mit Lesebrille ins Stadion wollte, habe ich dann immer sehr seltsame Tweets von den Spielen abgesetzt, weil ich nicht wirklich sehen konnte, was ich da tippe 😉
    Und für Gleitsichtkontis bin ich noch nicht bereit.
    Kurz: Seit ca. einem Dreivierteljahr trage ich nur noch Brille. Auch im Stadion. Und hoffe einfach darauf, dass nichts passiert, v.a. bei Auswärtsfahrten. Sonst kämen wir nämlich nicht mehr nach Hause. Ich habe nämlich nur meine (alte) Ersatzbrille und die vergesse ich immer.
    Aber ich gedenke das zu ändern. Mehr Brillen braucht die Nase!
    Liebe Grüße
    Petra

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