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Sandra Walzer, Fräulein Ideenfinderin

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Frisch aus der Erde

Die zart lila Köpfe sind vom Spargel das Beste. Nicht nur königliche Stangen schießen just aus der Erde, nicht nur Köpfe schmecken jetzt. Riesige Mengen Erdbeeren, Rhabarber, Holunder wandern in jeglicher Form in den Bauch.

Das Beste für den Bauch sind die Köpfe

Angefangen hat es mit Bärlauch. Dieser knobieske Duft begrüßt den Frühling, oft noch in eiseskaltem Restwinter verliert er die Nerven und streckt den Kopf, also, die grünen Blättlein nach oben. Als Pesto, einfach kleingehackt über so ziemlich jedes Gemüse- und andere Gericht, gut, das Wohnungsinnere wird verbärlaucht, aber egal. Damit beginnt für mich der Frühling. Für Sie auch? Ach, Bärlauch. Schade, dass es den hier kaum in freier Wildbahn zu geben scheint … Dafür lebe ich im Holunderparadies, auch was wert, dazu später mehr.

Endlich weg mit Kohl & Co.

Überhaupt, nach dem Winter, wenn wir Kohl & Co. so satt haben, ist jede Abwechslung auf das Herzlichste willkommen. Der Bauch sehnt sich nach Frische. Auch und gerade, wenn sie nach Knob- respektive Bärlauch schmeckt. Weiter ging’s und geht’s, die rot-grünen Stangen recken sich empor, Rhabarber, von vielen nach meinem Empfinden zu Unrecht verabscheut, von mir geliebt. Müssen Sie nicht schälen, um das noch mal zu betonen, nur putzen. Sonst geht Ihnen die ganze schöne rote Farbe verloren. Rhabarber schmeckt, auch ohne Erdbeeren, als Konfitüre, im Kuchen (durchaus auch mal ohne Baiser, vor allem, wenn die Baiserhaube eher an Gummi erinnert, wie meine das immer tut; falls Sie da einen Tipp haben?), als Sirup, Eis, Crumble, in Hefeschnecken, im Strudel und übrigens auch herzhaft, zum Beispiel mit Spargel (aha!) und Pasta.

Rhabarber im Fundbüro bei Fräulein Ideenfinderin

Schlussstrich nach Schlussstich

Es mag durchaus Menschen geben, die den „Wasserstangen“, wie sie ab und an abfällig genannt werden, kaum bis gar nichts abgewinnen können. Gut, gibt ja auch Menschen, die keinen Rosenkohl mögen, oder Brokkoli, oder Lakritz. Oder Rhabarber, siehe oben. Geschmäcker und ihre Unterschiede und die Nichstreitbarkeit, Sie wissen ja. Ich wiederum weiß: Ohne Spargel geht’s bei mir von etwa Mitte April oder Anfang Mai bis Johannistag nicht. Dann ist Ende statt Erde, denn nach dem Schlussstich am 24. Juni ist Schlussstrich auf dem Teller. Bis dahin aber quillt die Tafel über mit dem königlichen Gemüse.

Das Beste sind die Köpfe, Spargelspitzen, so zart und fein, jaja, aber für mich ist das Beste, nach dem Schälen und vor dem Kochen/Dünsten/Braten/Zubereiten schon die ersten ein bis fünf Stangen roh zu essen. Denn in der Tat finde ich, Spargel schmeckt nicht nur nicht nach nichts, sondern fein, elegant, lecker. Lassen Sie mich. Sie müssen ja nicht. Zum Beispiel habe ich vor wenigen Tagen ein neues Lieblingsgericht erfunden. Also, nicht „das Rad neu“, aber dennoch in dieser Kombination in meiner Küche neu. Grüner Spargel, in schräge Stücke (fürs Auge), den müssen Sie nicht mal schälen, vielleicht nur ganz unten und ab mit den Enden, mit violetten Frühlingszwiebeln (fürs Auge) in die Pfanne, dann noch Avocado dazu, Ziegenkäse drüber, ich habe Frischkäsetaler genommen. Nebenbei Pinienkerne rösten, die dann mit ein bisschen Kresse (fürs Auge, für etwas Schärfe und für Frühlingsfrische) über dem Ganzen anrichten. Hallöle, DAS war lecker. Wird es garantiert wieder geben in Fräuleins Feinschmeckerküche.

Bund grüner Spargel im Fundbüro bei Fräulein Ideenfinderin

Weißer Spargel im Fundbüro von Fräulein Ideenfinderin

Die Sammelnuss­frucht als Mussfrucht

Der „heißeste Mai seit Messbeginn“ war vor allem für die Erdbeeren ein Segen. So süß schmecken die heimischen roten, äh, „Beeren“ selten, wie sie es in diesem Jahr tun. Herrlich! Auf dem Balkon wachsen und gedeihen sie, auf den Felder erst recht, danke, Wonnemonat. Dass die Erdbeere keine Beere ist, wissen Sie vermutlich bereits. Ich sag’s trotzdem noch mal. Die kleinen gelben Punkte sind die eigentliche Frucht der Pflanze, also, genau genommen sind es Nüsse, und weil’s so viele sind, gesammelt in einem Ding, eben Sammelnussfrucht. Erdbeere klingt aber schöner. Und appetitlicher, wenn Sie mich fragen. Dafür ist die Tomate eine Beere. Und die Avocado eine Frucht, kein Gemüse. Verwirrend! Aber ziemlich egal, Hauptsache, es schmeckt, nicht wahr. Und das tut’s.

Erdbeeren im Fundbüro bei Fräulein Ideenfinderin

Hinein in den Mund, ihr süßen Sammelnüsse mit dem herrlichen weichen saftigen Fruchtfleisch drumherum. Nomnom. So wird die Nussfrucht zur Mussfrucht, jetzt im Frühlingfrühsommer. Und wo hinein plumpsen sie am liebsten, die roten Früchtchen? In Kuchen, Eis, Konfitüre, siehe Rhabarber, und besonders lecker ist ja die Kleinsandravariante: In mundgerechte Happen geschnitten, mit Milch übergossen, mmmmmh. Nicht mal Vanillezucker muss sein, so süß sind sie, aber mmmmmmmh Vanille. Außerdem sind Erdbeeren lecker im Eis, im Amerikaner (dazu kommt gleich noch ein Tipp, also nicht weggehen), im Pudding, in der Tarte, der Torte, im Shake, überall, immer.

Holler die Waldrand­wiesenfee

Janagut, ich bin sehr sicher nicht die Erste mit diesem Wortspiel, aber wissen Sie was? Drauf gepustet! Aber vorsichtig, damit der Blütenstaub nicht davonweht; den brauchen wir für Holundersirup. Holunder, Holler, Holder, Fliederbeeren, Sambucus, wie auch immer, gehört übrigens zu den Moschuskrautgewächsen. Kein Wunder ist der Duft so stark. Wenn Sie jetzt (bzw. vor dem Unwetter, auweh) an den Holunderbüschen vorbei gehen, selbst in großer Entfernung, werden Sie ganz wuschig von den ätherischen Ausdünstungen. Schwer, süß, süchtig machend. Auch das gehört zu „meinem Frühling“: Die ersten offenen Holunderblüten entdecken, jauchzen, hüpfen. Geht loooholundrios!

Holunder und Holunderblüten für Holunderblütensirup im Fundbüro bei Fräulein Ideenfinderin

Mein Tipp: Warten Sie nicht zu lang. Machen Sie’s nicht wie ich. Ich hatte grade noch so Glück, vor dem Hagelsturm und bevor endgültig alles verblüht ist, habe ich eingesammelt, bin dabei fast in die Brennnesseln gefallen und habe mich zum Affen gemacht, wie ich herumhüpfend nach den schönsten Dolden hangelte. Mit Erfolg, immerhin.

Draußen Dinge sammeln, die die Natur einfach so auf dem Silbertablett serviert, wie herrlich das ist. Ein Glück wächst Holunder unkrautartig, sodass die Blütenstibitzerei keine nennenswerten Auswirkungen auf die Schwarzholunderbeerenfülle hat. Denn auch die schmecken lecker, in Konfitüre mit Brombeeren zum Beispiel. Eher herb als süß; ich mag das zwischendurch. Wie aus den Blüten Sirup wird, haben schon viele beschrieben, und Sie können das auch weiter hinten in dieser Ausgabe lesen. Blättern Sie einfach bis zum schönsten Regentag der Erde.

Ein Himmelreich für Himbeeren, ein Herz für rote Finger

Wie essen Sie Himbeeren am liebsten? Ja ja, Konfitüre auf Croissant, im Kuchen, in Muffins, in luftiger Biskuitrolle, zu Pancakes, zum Eis, als Mus, alles fein, aber ich, ich esse Himbeeren am liebsten von der Hand. Fünf Himbeeren für fünf Finger, ein Hut für jeden, natürlich gehört das so und nicht anders. Himbeeren sind der Himmel auf Erden, und dass das rote Finger macht, weil die Hütchen oft nicht drauf passen, ist mir völlig gleich. Da bin ich Kind geblieben. Und dann kommt der Rest in Konfitüre, weil das mindestens Wolke 7 im Himbeerenhimmel ist. Ich könnte Ihnen noch viel mehr davon erzählen, was jetzt alles lecker ist und was Fräulein lecker isst, aber Sie entschuldigen mich? Ich muss an den Balkonkasten und den Kühlschrank und den Vanillezucker und ans Rührgerät und …

 

Mehr lesen:

Hier die Sache mit der Sammelnussfrucht beim MDR.

Das hier ist die schönste Dekoidee des Frühlings.

Scharfen Spargel in mehrfacher Hinsicht (die Farbe! das Rezept!) gibt’s bei Delicious Days. Dort finden Sie auch ein herrliches Rhabarbercrumble-Rezept.

Erdbeeren und Rhabarber im Fundbüro bei Fräulein Ideenfinderin

Rezept für besonders leckere Erdbeer-Amerikaner und die Suche nach einer Hundertprozent-Baiser-Gelinggarantie

Die zwei wichtigsten Fragen zu Kuchen und Rhabarber. Frage 1: Mögen Sie Baiser? Frage 2: Können Sie Baiser? Meine Antworten lauten ja und nein. Beides im Brustton der Überzeugung. Deshalb freue ich mich sehr über Tipps, was ich falsch machen könnte, anders machen sollte und unbedingt wissen muss.

Im Gegenzug garniere ich das Ganze mit dem leckersten Amerikaner-Rezept der Erde, hier bei meiner Allzeit-geht-immer-Lieblingsbäckerin. Amerikaner, frisch aus dem Ofen, fluffig vanillig, mit Erdbeerstücken drin, Erdbeerhälften drauf und Erdbeerguss drüber. Grandios.

Über die Autorin

Hallo, ich bin Sandra. Ich bin Storyteller. Gute Geschichten erzähle ich als Texterin und Konzeptionerin, Trainerin und Coach, Brillenbloggerin und Fußballautorin – privat seit etwa 30 Jahren, beruflich seit 1997, selbstständig seit 2010.

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