Hallo, Fräulein

Freies Fräulein?

Verfügbarkeit jetzt prüfen.

Sandra Walzer, Fräulein Ideenfinderin

Fräulein folgen:

Kinderbuch? Alles relativ.

Lesen Sie mal wieder ein Buch aus Ihrer Kindheit. Eines, das Sie seither nicht mehr gelesen haben, dessen Geschichte Sie nahezu vollständig vergessen haben, aber eben nicht ganz.

Die Zeitfalte

Können Sie tessern? Ich nicht, aber ich weiß theoretisch, wie’s geht. Ich weiß, wie man durch Zeit und Raum reist. Man legt einfach eine Falte. Das und die Relativitätstheorie habe ich aus einem Kinderbuch gelernt. Na gut, „gelernt“ ist vielleicht ein winziges bisschen übertrieben. Dennoch. Energie ist Masse mal dem Quadrat der Beschleunigung, das konnte ich mir im zarten Alter von … ich weiß es gar nicht, zwölf vielleicht? … bereits merken, bis heute habe ich es nicht vergessen und ich würde es SO. GERN. VERSTEHEN. Allein, mein Kopf sieht das anders. Da fehlt etwas. Ein wichtiges Teil, um solche Zusammenhänge zu begreifen und zu erfassen. So einen Moment wie Stephen Hawking auf dem Bahnhof von Cambridge, ehrlich, was gäbe ich für solch einen Moment. Aber ich wiederhole mich.

„Die Zeitfalte“ also, 1962 als „A Wrinkle in Time“ erschienen, geschrieben von Madeline L’Engle. Ein Buch über Mathematik und Physik, Gleichungen auf Tischtüchern, einen verschwundenen Vater und Kinder, die sich auf eine abenteuerliche Reise zum Planeten Camazotz begeben. ES will alle Welten beherrschen, vorrangig jedoch Charles Wallace, den kleinen Bruder von Margaret und Sohn des verschwundenen Mr. Murry. Wie die Rettung fast schiefläuft und was sonst noch so passiert: Lassen Sie sich überraschen.

Die Zeitfalte, Madeleine L'Engle bei Fräulein Ideenfinderin

Shakespeare und die Quantenphysik

Naturwissenschaften und Forschergeist, Labore und das Universum, man merkt, dass die Autorin sich für Quantenphysik interessierte und von Max Planck und Albert Einstein (1942, „ich las einfach ein Buch von ihm, weiß nicht mal, weshalb“) inspirieren ließ. Und von William Shakespeare; der Hund der Familie heißt Fortinbras, nach dem Prinzen in Hamlet. Auch die drei Hexen aus Macbeth werden zitiert. Was mir missfällt: Miss L’Engle suchte, obwohl schon sechs durchaus erfolgreiche Romane veröffentlicht, lange nach einem Verlag für die Zeitfalte. „Ein Mädchen als Protagonistin“, das werde sich nicht verkaufen, pah. 26 Absagen hagelte es.

Heute: über 10 Millionen verkaufte Exemplare, über 50 Auflagen, ausgezeichnet mit der Newbery Medal und Lewis Carroll Shelf Award, nominiert für den Hans Christian Andersen Preis. Verfilmt wurde das Buch auch, und auf die Frage, ob es die Erwartungen der Autorin erfüllt habe, antwortete diese, das habe er, denn er sei so schlecht wie erwartet. Macht sie mir ja sympathisch, die gute Frau L’Engle, obwohl ich den Film nicht gesehen habe und darob nicht beurteilen kann oder mag.

Jetzt neu und alt im Kino

Stichwort Film – es gibt eine neue Verfilmung. Unter dem Titel „Das Zeiträtsel“ läuft die immerhin schon weit über 50 Jahre alte Geschichte seit 5. April in den Kinos; den Trailer dazu hatte ich zufällig gesehen, ich glaube, in der Werbepause irgendeines Films … oder einer Serie … Vielleicht gab das den Anstoß. Vielleicht hat mich dieser Trailer überhaupt erst wieder zu Meg und Calvin und Charles Wallace und Frau Wasdenn, Frau Diesdas und Frau Dergestalt und allen gebracht. Ich weiß es nicht mehr, aber ich bin sehr froh, dass ich in diese kleine Kostbarkeit vergangener Kinderjahre erneut eintauchen durfte. Denn genau das ist es, was Madeleine L’Engle geschaffen hat: eine Kostbarkeit.

Die Zeitfalte, Madeleine L'Engle und eine Rolle Zeit, Feine Billetterie

Nach der Zeitfalte bin ich direkt zum Riss im Raum gesprungen, getessert möglicherweise?, dem nächsten Teil mit Meg & Co., und ach, auch das ist wieder so schön. Ich mag die Übersetzungen der Bücher, die nach meinem Empfinden wirklich feinfühlig funktioniert und eine sehr schöne Sprache benutzt. Und das in einem Kinderbuch, wirklich, ich bin immer noch und immer wieder und immer mehr fasziniert.

Noch liegen einige Reisen vor mir, denn „Durch Zeit und Raum“ und „Die große Flut“, allesamt mit Familie Murry in der Hauptrolle, warten noch auf mich. Und auch einen Ableger gibt es, eine ganze Reihe mit und über die Tochter von Meg und HOPPLA, da hätte ich doch fast zu viel verraten. Besser, Sie lesen die Zeitfalte. Wirklich.

Ein bisschen Gefühlsduselei

Das Schönste für mich: Ich habe die Bücher wirklich viele Jahre gar nicht gelesen, obwohl ich sonst gern aktiver Mehrfachleser bin. So war es fast wie ein zweites erstes Mal, auch wenn ich sehr grob wusste, worum es geht. Aber viele Namen und Protagonisten hatte ich vergessen, Proginostes zum Beispiel und die Echthroi, und das jetzt in den tiefsten Tiefen meines Inneren wiederzufinden und wiederzuerkennen, das ist herrlich.

Eine längst verstaubte wunderschöne Erinnerung wiederfinden und -spüren, versuchen Sie das auch mal. Tut gut. Fast wie eine Tantentier-Umarmung.

Mehr lesen & sehen:

Das wohl schönste Cover (und mehr) zeigt die Autorin auf ihrer Website.

Ein Interview mit Madeleine L’Engle

Der Trailer zu „Das Zeiträtsel“ (Den Kinofilm werde ich mir nicht anschauen, glaube ich. Ich traue mich nicht.)

Über die Autorin

Fräulein Walzer, Storyteller. Gute Geschichten erzähle ich als Texterin und Konzeptionerin, Trainerin und Coach, Brillenbloggerin und Fußballautorin – privat seit etwa 30 Jahren, beruflich seit 1997, selbstständig seit 2010.

Einen Kommentar schreiben

You don't have permission to register