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Sandra Walzer, Fräulein Ideenfinderin

Fräulein folgen:

Geständnis meiner unpopulärsten Eigenschaft

Wie ich mich auf eine besondere Reise entführen ließ und warum das für mich gänzlich untypisch ist, was das mit Günther Jauch zu tun hat und welche Rolle dabei eine Teekanne spielt.

 

Reden wir nicht lange drum herum: Ich reise nicht gern. Es fällt mir schwer, an Orten zu sein, an denen ich die Sprache nicht beherrsche und oder die mich auf andere Weise überfordern. Es kostet mich sehr viel Überwindung, auch wenn ich danach bis zum Rand vollgefüllt mit unvergesslichen Erlebnissen nach Hause komme. Diese meine wohl mit unpopulärste Eigenschaft teile ich mich sehr wenigen Menschen, bisher. (Gleichgesinnte: Finger hoch! Das würde mich beruhigen.)

Meine Fernreiseerfahrungen beschränken sich auf die Färöer Inseln (zum Fußball), Großbritannien (zum Sprachelernen), Teneriffa (zum Serpentinenüberleben), Schweden (zum Elchesuchen) und einige andere Destinationen, nichts wirklich Exotisches und kaum etwas, wo mich Englisch nicht weitergebracht hätte.

Mein Wohlgefühl stellt sich ein, wenn ich weiß, dass ich in bekannten Gefilden (Beispiel: im Norden am Deich) draußen herumwildern kann, dass mir ein landeserfahrener Mensch zur Seite steht oder dass ich schlicht nicht sprechen muss – dann darf’s auch ein sehr fremder, weit entfernter Wald sein. Tja, und dann wagte ich im Februar große „LOS!“ und ließ mich entführen. Wohin? Verrate ich gleich.

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Die 500.000-Euro-Frage

Dadadadah. Dramatische Musik bei Herrn Jauch. Was würden Sie mit einer halben Million tun? Ich weiß jedenfalls, was ich nicht tun würde. Eine Reise stünde sehr sicher nicht ganz oben auf meiner Liste. (Eine stünde aber doch drauf, weiter unten, ein Islandbesuch nämlich; das aber nur am Rande.) Bücher dagegen würden mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit einige dieser vielen Euros verschlingen. Zum Beispiel das von Meike Winnemuth. Auch für sie wurde das „Dadadadah“ gespielt. „Was würden Sie mit so viel Geld tun?“

Es folgten großer Jubel und die Erkenntnis: Kann losgehen. Im großen Stil. Denn Winnemuths Antwort auf die Jauch’sche Standardfrage lautete „ein Jahr raus aus Deutschland“. Sprach’s und packte den Koffer.

Trost in der Teekanne

Wie es der Journalistin aus Hamburg während ihrer zwölf Monate in zwölf Städten erging, erzählt sie auf unnachahmliche Art in ihrem Buch „Das große Los“. Ist schon einige Jahre her, ausgestrahlt wurde die Wer-wird-Millionär-Folge am 11. Oktober 2010, los ging’s am 1. Januar 2011, per Blog begleitet. Für mich aber startete das Abenteuer im Februar 2018, und es nahm mich gefangen. Die Halbmillionärin nahm mich mit nach

Sydney

Buenos Aires

Mumbai

Shanghai

Honolulu

San Francisco

London

Kopenhagen

Barcelona

Tel Aviv

Addis Abeba

Havanna

und Hamburg

und ich war schon in Sydney hoffnungslos verloren. Oder besser: mein Herz war’s. Verloren an den Schreibstil von Frau Winnemuth, an ihre Offenheit, Schonungslosigkeit, an ihre blaue Reisegarderobe (und im Nachgang auch ans blaue Kleid) und an – ihre Teekanne. Die kam erst an Station Zwei hinzu, in Buenos Aires, durfte dann aber quer über den Globus mit ihr reisen.

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Wie sie das beschreibt, die Teekanne und dieses kleine Gefühl von Heimat, Trost und Wärme, das allein lohnt die Lektüre. Deshalb der Lesetipp heute: “Das große Los“. Lesen Sie es. Es ist sehr gut.

 

Mehr lesen & sehen:

Das Buch

Der Buchtrailer

Meike Winnemuth im Gespräch bei SWR1 Leute

 

Disclaimer: Ich habe das Buch selbst gekauft und bekomme nichts für die Vorstellung. Leider bisher nicht einmal eine Antwort von Frau Winnemuth, der ich in meiner halt- und hilflosen Begeisterung direkt nach Beendigung der letzten Seite und dem Zuschlagen des Buchs meine Begeisterung per Mail schickte. Schade.

Über die Autorin

Fräulein Walzer, Storyteller. Gute Geschichten erzähle ich als Texterin und Konzeptionerin, Trainerin und Coach, Brillenbloggerin und Fußballautorin – privat seit etwa 30 Jahren, beruflich seit 1997, selbstständig seit 2010.

Kommentare

  • Nikana
    10. September 2018

    Hier! Also, ich reise eigentlich schon gerne, aber: ich reise nicht gerne kompliziert und ich bin auch nicht gerne in Ländern, in denen ich mich nicht gut verständigen kann. Deshalb mache ich auch nicht so gerne in Frankreich Urlaub, auch wenn man dort mit Englisch viel besser auskommt, als einige Menschen immer wieder behaupten: Manchmal stecke ich dort aber doch in einer sprachlichen Sackgasse.

    Der Weg zum Urlaubsort sollte für mich auch nicht zu kompliziert sein. Ich möchte nicht viel kommunizieren müssen, schon gar nicht in fremden Sprachen, was an langen stressigen Anreisetagen übrigens Englisch mit einschließt. Deshalb mache ich auch keine weiten Flugreisen, auch wenn mich das eine oder andere weit entfernte Land schon sehr interessieren würde.

    Was ich aber richtig gerne mache, ist: gute Reiseberichte lesen. Oben erwähntes Buch steht schon einige Jahre in meinem Regal, das gehört definitiv dazu.

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