Hallo, Fräulein

Freies Fräulein?

Verfügbarkeit jetzt prüfen.

Sandra Walzer, Fräulein Ideenfinderin

Fräulein folgen:

Endgegner Liegestütze

Wie ich mich seit Jahren vollkommen erfolglos abmühe und bis heute nahezu unverändert durchhänge. Ich Wurst.

Ich kann’s nicht. Gar nicht. Seit ungefähr immer. Ich versuche es ab und zu, um dann entnervt festzustellen, dass sich trotz Training kaum etwas geändert hat. Dann lasse ich es wieder. Liegestütze: mein Endgegner. Können Sie die? Es gibt Menschen, die machen 30 Stück, 50, in einem Affenzahn oder am besten auch noch mit einem Arm, also auf einer Hand.

Ich sitze nur dümmlich schaukelnd daneben und weine in mich hinein. Gut, es hat mit Kraft zu tun, und nicht nur in den Armen, ja, auch mit Technik. Ich habe es wirklich versucht, unter Anleitung und für mich, ich weiß, wie die Dinger THEORETISCH funktionieren … Dann habe ich mit Yoga angefangen und hatte die Hoffnung, dass das hilft. Von hinten durch die Beine übers Eck, sozusagen. Und was war?

Chaturanga Dandasana

Das war. Chaturanga. Kennen Sie? Ist im Prinzip die Bewegung aus der Planke nach unten wieder hoch. Yogis Liegestütz. Chatur steht für vier, anga ist der Körperteil, danda der Stock und asana, die treuen Fundbüroleser wissen es, steht für die Pose bzw. Haltung im Yoga. Das Ganze beschreibt auf Sanskrit also die „viergliedrige Stockhaltung“, beide Arme, beide Beine und alles dazwischen sinnbildlich starr wie ein Stock.

Und so geht’s dann mit gebeugten Armen kontrolliert – auf keinen Fall in der Mitte durchhängen – Richtung Boden. Aber nur Richtung! Nicht, wie ich, dort kraftlos zusammenbrechen. Dann wieder hoch in die Planke oder zum Beispiel in den heraufschauenden Hund. Haha. Nein.

 

Manduka ekolite Yogamatte bei Fräulein Ideenfinderin

Es. Geht. Nicht.

Ich kann’s nicht. Runter geht, dank Yoga sogar ohne Bauchplatscher. Aber wieder hoch? KEI-NE CHANCE. Ich breche entweder auf halbem (ach was, fünftel) Weg zusammen, oder ich sacke in der Körpermitte zusammen wie, nunja, ein nasser Sack eben, und drücke mich im Hohlkreuz *irgendwie* nach oben. Aber das ist ja nicht Sinn der Sache und Zweck der Übung. Mit dem Training auf Stuhl oder Sofa habe ich es schon versucht, mit dem Immerwiederüben auf der Yogamatte, mit dem Stärken von Armen, Trizeps, und, vor allem, dem Core, also Bauch und Mitte.

Aber allem Anschein nach reicht das noch lange nicht. So übe ich weiter, denn ja, es heißt nicht von ungefähr „The pose begins when you want to leave it“, die Pose fängt erst da an zu wirken, wenn du sie ums Verrecken verlassen willst, um es mal klar und deutlich zu sagen, oder noch passender: „The pose you avoid is the one you need the most.“ Die Pose, in die wir auf keinen Fall wollen, ist die am dringendsten benötigte. Das stimmt.

ß?&$/(„§%$!“%§(=§/&123:)/§

Bei mir handelt es sich hierbei, wenig überraschend für alle, die bis hier gelesen haben, um Chaturanga Dandasana. Außerdem um die halbe Taube, Eka Pada Rajakapotasana bzw. Kapotasana. Und Kakasana, die bei mir sehr flügellahme Krähe. Die drei sind meine Endgegner, und gleichzeitig fühlen sie sich doch an wie Freunde, wie jemand, der auf mich wartet, der mich fordert und mir nichts Böses will, auch wenn es sich durchaus öfter so anfühlt. Wie der, der dir ins Gesicht sagt, nee du, das war nix, probier’s noch mal, gib nicht auf. Einverstanden.

 

Nächster Beitrag: Ende mit Schrecken

Über die Autorin

Sandra Walzer ist Fräulein Walzer: Storyteller und Selbstmarkenninja. Brillenbloggerin. Fußballautorin. Ich schreibe privat seit etwa 30 Jahren, texte beruflich seit 1997 und bin selbstständig seit 2010.

Einen Kommentar schreiben

You don't have permission to register