Macht horrenden Lärm und einen Heidenspaß

Ja, in der Tat, meinem Namen zu Ehre und mir zum Vergnügen: Das Fräulein tippt auf der Torpedo. Nach Herzenslust. Dass der Tisch wackelt, und zwar gewaltig. Vermutlich auch die Wände. Denn seit September steht eine mechanische Schreibmaschine, Marke Torpedo 6, im Fräulein’schen Heimbüro. Mein Herz hüpft ob dieses Geschenks, in etwa so laut wie die Tasten beim Anschlag.

Marksteine der Feinmechanik

Na gut, vielleicht schummle ich ein bisschen. Aber wirklich nur ein bisschen. Denn genau genommen hat ja die Schreibmaschine nicht mehr viel mit Tinte zu tun, sie hat das Feder- und Füller- und Handschreiben abgelöst, einfacher und schneller gemacht. Aber ein Tintenfarbband braucht sie dann eben doch. Und damit bekommt sie ihren Ehrenplatz im Tinten-Fundbüro September. Einverstanden? Zum Schmunzeln: Klar habe ich nach alter Werbung gesucht, denn als Fräulein Ideenfinderin bin ich nun mal der Werbung verhaftet, seit 1997 zwar erst oder schon, aber von Herzen, auch wenn es eine schwierige und anstrengende Branche ist. Gefunden habe ich: „Zwei Marksteine in der Geschichte deutscher Feinmechanik“. Die Weil- bzw. Torpedo-Werke in Rödelheim nämlich stellten zwei Dinge her: Torpedo-Fahrräder und Torpedo-Schnell-Schreibmaschinen. Oh wie wunderbar!

Das gefällt mir, denn, raten Sie, wie sich das Fräulein wochenends gern fortbewegt, um zum Gemüselädchen zu fahren und bergeweise Grünzeug einzukaufen? Richtig, per Fahrrad. Per Omafiets, um genau zu sein, Holland-Lastenfahrrad, stilecht mit alter Kiste „Wein aus deutschen Landen“, und ich sage Ihnen: Wenn Sie das nicht können, kippen Sie um. Ich jedenfalls brauchte eine gute Weile, bis Fahrrad und Fräulein sich gewöhnt hatten, aneinander und an die umgekehrte Schwerpunktverteilung. Jetzt geht’s gut, fährt gut viel mehr, auch wenn der September erste Kürbisse brachte, was rein vom Gewicht eine ziemliche Herausforderung ist. Kürbisse sind Schwergewichte, und ein solches ist auch das Fahrrad, 23 Kilo nämlich.

Das wiederum passt zur Torpedo-Schnell-Schreibmaschine. Die wiegt, puoar, ich weiß es nicht, aber viel zu viel. Ein Glück hat sie ihren Platz gefunden und muss fürs Erste nicht mehr fortbewegt werden. Aber wie kam ich nun auf …? Ach so. Torpedo-Werbung anno 1908. Und 1927 erschien, unter Federführung von Torpedo, das Modell „Torpedo Standard“ und damit die erste deutsche Schreibmaschine mit Segmentumschaltung. Toll. (Was ist bitte Segmentumschaltung? Egal, toll! Ich liebe die goldenen Zwanziger, und ich habe an einem 27. Geburtstag, das passt wie die Faust aufs Auge und die Finger auf die Tasten.)

(Es hat übrigens etwas damit zu tun, mit wie vielen Buchstaben jede Taste belegt ist, und ob Wagen, Walze, Segment oder ein anderes Teil umgeschaltet werden, um an die jeweilige Belegung zu kommen. So in etwa zumindest, ich hab’s nachgelesen, kann’s aber nicht erklären. Tippen kann ich besser.)

Torpedo Typewriter Schreibmaschine

Mit zehn Fingern statt Adlersuchsystem

Die Torpedo 6 wird auf die 1930er Jahre datiert, ich könnte meine Rechnungen damit in Reichsmark ausstellen, würde damit aber sicher für Verwirrung oder, schlimmer noch, Verhaftung sorgen, lassen wir das also besser. Auch eine Zwanzigerjahre Erika steht hier, aber mehr zu Ausstellungszwecken und fürs Herz, denn die funktioniert nicht mehr. Die Torpedo aber, die tut. Und ich, ich tippe. Wie ich es in der siebten Klasse anno Weißichnichtmehrsogenau gelernt habe.

Nupsies mit Sinn

Dieser Kurs, der ist Gold wert und wird es immer sein. Zehn-Finger- Maschinenblindschreiben, irgendwo müsste auch noch die Urkunde dazu herumfliegen. Da kleben bunte runde Aufkleberlein auf den Buchstaben, und Sie sitzen davor, haben Fragezeichen um den Kopf herumschwirren und fragen sich, wie das bittesehr funktionieren und wie man das jemals lernen soll. Aber es ist tatsächlich ein System dahinter, auch die Nupsies auf dem f und dem j haben ihren Sinn (da liegen die Zeigefinger, so finde ich mich blind auf der Tastatur zurecht, wenn ich einmal die Hände davon wegnehme; beispielsweise früher, um die abzutippende Vorlage umzublättern. Liege ich nämlich daneben, dann dorjz fsd on res do sud.*).

Ganz im Gegensatz zum „Adlersuchsystem“, mit dem bezeichnet wird, wer mit Adleraugen auf der Tastatur klebt und mit zwei spitzen Fingern wie per Adlerschnabel auf die Tastatur hackt. Ich habe dazu übrigens vor Längerem schon einmal etwas geschrieben, gucken Sie mal hier. Den Kurs habe ich nicht nur bestanden, sondern das Abschlussschnellschreiben sogar als Zweitbeste abgeschlossen, wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht. Ich muss das Urkundending wirklich mal suchen. Zu wem passt eine Torpedo Schnell-Schreibmaschine also, wenn nicht zu mir, hm, HM? Hach, herrlich. Fräuleins Feinmechanik wird endlich wieder geölt. Gut, man läuft Gefahr, sich die Finger zu brechen, oder mindestens zu verletzen, aber Nostalgie! So wunderschön, das Stück Geschichte aus Fastfrankfurt, wie gemacht fürs Fräulein.

Ein neues Farbband ist jetzt auch drin, los geht’s, tippeditipp. Wenn Sie seltsame Geräusche hören: Das bin ich, wie ich tippe. Halt keine Rechnungen, aber wer weiß, vielleicht stelle ich anderweitige Korrespondenz auf mechanisch um. Wie sich das ganz stilecht für ein Fräulein, eine Konzeptionistin, eine Typistin, eben gehört.

Möchten Sie einen Brief von mir bekommen? Überzeugen Sie mich. Vielleicht wackelt der Tisch ja bald in Ihrem Auftrag. Die Unterschrift unter meiner Korrespondenz übrigens schreibe ich mit Füller. Darin: schwarze Tintenpatrone, versteht sich von selbst.

 

*sieht das in etwa so aus.