Guten Morgen und guten Appetit

An fünf von sieben Tagen der Woche beginnt dieser für mich folgendermaßen: Erst geht’s auf die Yogamatte, dann aufs Meditationskissen, danach unter die Dusche (nein, keine Regendusche; mögen Sie das?), anschließend an den Frühstückstisch. Auf diesem, Montag bis Freitag: Müsli. #Morgenmüsli heißt das gezwitscherte Pendant auf Twitter bei @fraeuleinwalzer. Meine Art, guten Morgen in die virtuelle Runde zu sagen, leise, wohltuend wiederkehrend. Ich mag Rituale. Samstag und Sonntag, das nur nebenbei bemerkt, ist so richtig Frühstück mit Brötchen und oder Toast und oder Pancakes und Marmelade (oder Konfitüre, siehe Ausgabe 01/2017) und Honig und Saft und so weiter angesagt. Vielleicht erzähle ich Ihnen dazu in einer anderen Ausgabe mehr.

Müslischale Morgenmüsli mit Löffel

Was bei Fräuleins morgens in die Schüssel kommt

Darüber, ob nun das Frühstück elementar wichtig oder völlig egal ist, scheiden sich die Geister. Selbstverständlich gibt es zu allem mindestens eine Studie und noch viel mehr Grafiken, Erkenntnisse, Ergebnisse. Wissen Sie, die Forscher, sie brauchen eben etwas zu forschen. Und jeder will seine höchst persönlich präferierte Meinung bestätigt sehen. Sie können das halten, wie Sie wollen, ich rede Ihnen da nicht rein. Ich jedenfalls frühstücke. Mit Hingabe. Mit Müsli, Montag bis Freitag. Mit der Überzeugung, dass mir das gut tut und ich wunderbarst und bestgelaunt in den Tag starte. Sogar montags, tatsächlich, ich kann das.

Monströses Magenknurren

Anfang August war es so kühl, dass mir morgens ordentlich der Magen knurrte und das mit der guten Laune dann doch eine Herausforderung darstellte. Das Tolle, zum Glück, an meinem Morgenmüsli: Es passt, ob’s nun warm oder kalt ist. Draußen, meine ich, gilt aber auch fürs Müsli. Denn, hurra, Haferflocken lassen sich ja auch zu Porridge kochen. Superlecker mit gedünsteter Mango und etwas Vanille. Na, haben Sie schon Hunger? Und Appetit auf eine Anregung für die Frühstücksschüssel? Dann verrate ich Ihnen mein Dschungelmüslirezept, august- und septembertauglich bei jeder Temperatur.

Haferflocken plus X

Die Grundlage sind Haferflocken. Immer. Blütenzarte (was für eine poetische Beschreibung für Getreide), weil ich die kernigen im Brot lieber mag und weil ich morgens zu faul bin, schon so viel zu kauen. Soll gesund sein, das mit den Haferflocken, schmeckt mir vor allem einfach gut. Dazu kommt Obst. Was die Obstschale hergibt, und im August war das herrliche Vielfalt. Mirabellen, Zwetschgen, Reineclauden, Himbeeren, Johannisbeeren, Brombeeren, Blaubeeren, mit Glück und grünem Daumen und sonnigem Balkon sogar noch Erdbeeren, hinein hinein ins Glück. Aber dies wäre keine Dschungelausgabe, würde ich nicht auf etwas ganz anderes hinauswollen. Ananas nämlich. (Wie schön, diese Analogie am Alltagsmorgen, erst Asanas, dann Ananas. Erst Om, dann Nom.)

Packen Sie Ananas auf die Haferflocken in die Schüssel, gerne reichlich, ganz nach Geschmack. Bitte sehen Sie sich vor: Sollte die Ananas nicht mehr ganz frisch sein, bizzelt’s auf der Zunge – und später im Gedärm. Verzeihung, aber ist eben so. Achten Sie auf frische Ananas. Wenn Sie die im Ganzen kaufen, hält sie auch ungekühlt durchaus ein paar Tage. Und wie kriegen Sie das Ding dann klein? Zum Beispiel so. Ich schneide immer die komplette Frucht und packe den Rest in den Kühlschrank, für flottestes Frühstück am nächsten und ggf. übernächsten Morgen. Das Ganze garniert mit Kokos-Chips, Milch drüber und … HAAALT.

Müslischüssel mit Kokoschips

Mit der Machete gegen das „böse“ Bromelain

Da haben wir ein kleines Hindernis. Sagen wir, ein zu dichtes Stück Urwald im Frühstücksdschungel. Nehmen wir flugs die Machete zur Hand. Die Ausgangslage: In Ananas versteckt sich ein Enzym, das Eiweiß zersetzt. Bromelain heißt das. Ist toll für zartes Fleisch, ist nix fürs Müsli mit Milch. Wenn Sie nämlich nicht sofort loslöffeln, wird das eine bittere und zähflüssige Angelegenheit. Nicht besonders appetitlich. Passiert nur bei frischer Ananas, nicht bei getrockneter oder der Version aus der Dose. Dafür geht aber geschmacklich nun einmal nichts über frische Frucht, finde ich. Was nun tun gegen das böse Bromelain?

Ausweg 1: Drauf pfeifen. Ehrlich, mir ist bitterer Geschmack dabei noch nie aufgefallen. Wohl, weil ich alles frisch mische und das Enzym gar keine Chance hat, aktiv zu werden. Das braucht nämlich ein bisschen Zeit.

Ausweg 2: Die Ananas kurz dünsten. Soll aus ayurvedischer Sicht sowieso toll und verträglicher sein, schmeckt auch gut, ist aber schlecht für die Vitamine. Alternativ reicht auch, die Frucht mit heißem Wasser zu übergießen. Zerstört allerdings ebenfalls die hitzeempfindlichen Vitamine.

So böse ist Bromelain übrigens gar nicht: Es wirkt entzündungshemmend und regt die Verdauung an. Legen Sie beim Dschungelmüsli also einfach einen Zahn zu, dann sind Sie in Sachen Bitterkeit bei Geschmack und Gemüt auf der sicheren Seite.

Dschungelmüsli Kurzfassung

Geht ganz leicht und „Rezept“ darf das eigentlich gar nicht heißen, naja. Dennoch; so geht’s:

Zutaten

  • 40 g Haferflocken
  • Ananas nach Belieben
  • ca. 1 EL Kokos-Chips
  • 200 ml Milch
  • oder 250 g Naturjoghurt (oder was Sie sonst gern über Ihr Müsli geben)

Zubereitung

  • alles frisch mischen
  • sofort essen
  • oder Ananas vorher kurz dünsten
  • „awimba web awimba web“ singen (wenn der Mund leer ist)
  • wie die Dschungelkönigin oder der Dschungelkönig fühlen