"Oh, hallo Fräulein!"

Sie wachsen zum Beispiel gern und gut an Bachläufen und sind im Juli reif. Aber sowas von reif. Gibt’s in gelb und rot, sehen aus wie Mirabellen, sind aber eben Kirschpflaumen. Essen sich höchst lecker, frisch vom Baum und einfach so. Offenes Terrain, freies Gelände. Fallen, wenn ungepflückt, zu Boden und zermatschen, und das kann ja keiner wollen. Also habe ich mich aufgemacht, mit Eimer bewaffnet, um den Kirschpflaumen zu Leibe zu rücken.

Wissen Sie, wenn man sich nicht man anstrengen muss, weil die Bäume derart voll hängen, und man nicht einmal eine Leiter benötigt, weil einem die Kirschpflaumen quasi geradewegs in den Mund wachsen, dann wehre ich mich nicht, oh nein. Ich pflücke. So viele, wie in den Eimer passen, und noch ein paar mehr, und dann geht’s ab nach Hause in die Küche. Ein paar Meter Fußweg, das, werte Leserinnen und Leser, ist wahrer Luxus. Die Ernte zunächst ins Wasser, dann entsteint (oder sagt man entkernt?) – geht prima mit dem Kirschenentkerner. Entsteiner. Was auch immer. (Kirschkern sagt man doch, Kirschkernkissen und Kirschkernweitspucken. Also Entkerner. Aber der Nachname heißt Kirschstein, herrje. Das muss doch rauszufinden sein?)

Kirschkernexkurs

Das hat mich jetzt doch interessiert. Soeben habe ich gelernt: Kerne sind mehrere, zum Beispiel im Apfel oder in der Birne. Steine sind immer allein, arme Steine, jedenfalls – eine Kirsche zum Beispiel hat also einen Stein. Einen einzelnen Kern, sagt man auch. Aha. Deshalb gehört die Kirsche zum Steinobst, der Apfel zum Kernobst. Und die Kirschpflaume? Stein. Zurück zur Ernte. Ich habe also die so enthusiastisch gepflückten Kirschpflaumen entsteint (ha!) und soll ich Ihnen was sagen? Es war kein einziger Wurm zu sehen. Das haben nicht mal die vielen vielen Kirschen vom angeblich kaputten Kirschbaum dieses Jahr geschafft; das aber nur am Rande erwähnt. Sie merken: Die Kirschpflaume begeistert mich. Und wanderte ohne Umweg in den Topf, zusammen mit Gelierzucker und meinem Seufzen, weil ich immer noch keinen langen Marmeladelöffel habe, mit dem man sich beim Kochen endlich nicht mehr die Finger verbrennt.

Das Ergebnis waren sechs Gläser Kirschpflaumenkonfitüre, denn Marmelade darf das ja nicht heißen. Wissen Sie, oder? Falls nicht: Den Namen Marmelade darf nur tragen, was Zitrusfrüchte respektive Zitrusfruchtteile wie Schalenstücke beinhaltet. Weil ich aber Zitronenmarmelade und noch viel mehr Zitronenschale in der Marmelade für extrem ungenießbar halte, entstand in meiner Küche also Kirschpflaumenkonfitüre. In rot, verzeihen Sie, aber ich wollte bei meinem Erstlingswerk beide Sorten versuchen, und in gelb. Besser schmeckt mir die gelbe Variante, das sei zur Versöhnung und Verwöhnung noch erwähnt.

Hygge, Hicks, hachz

Eigentlich schon viel früher, im Juli aber gemütlich und auf dem Balkon ist mir übrigens ein neuer Trend begegnet. Hygge. (Lesen Sie das bitte selbst nach, sonst verzettele ich mich zu sehr.) Etwas „hyggelig“ zu nennen bedeutet demnach, einem Ding, einer Situation, irgendetwas die sprichwörtliche Krone aufzusetzen. Oder eher Sahnehaube, weil Kronen garantiert ziemlich unhyggelig sind.

Diese Marm…itüre erreicht auf einer Skala von 1 bis 10 einen Hygge-Wert von mindestens 11. Selbstgepflückt, selbstgekocht, in hübsche Gläser gefüllt … Und dann auch noch auf frischem selbst gebackenem Brot, das lässt sich kaum überhyggen. Ich habe schon Schluckauf, hicks, vor lauter Freude. Falls Sie jetzt Lust verspüren, selbst den Löffel zu schwingen: Ganz einfach.

So geht’s:

Früchte waschen und sorgfältig entsteinen. Oder entkernen. Kommt drauf an, wissen Sie ja.

Pürieren; nach Geschmack ganz fein oder etwas grober mit ein paar Restfruchtstücken.

Wiegen Sie, wie viel Gewicht die Früchte jetzt auf die Waage bringen. Mit Steinen und Stielen und faulen Früchten zu Beginn bringt Ihnen das wenig.

Geben Sie alles in einen hohen Topf. Wenn Sie Profi sind, haben Sie einen Marmeladetopf.

Messen Sie den Gelierzucker ab. Je nach Süße der Früchte 1:1, 2:1 oder 3:1, wobei 3:1 eher herb bleibt und 1:1 nur etwas für ganz süße Nascher und sehr saure Früchte ist. Hier können Sie mit etwas Zitronensaft etwas entgegenwirken, falls der Supermarkt Ihres Vertrauens nur noch 1:1-Zucker vorrätig hatte. Mir ist 2:1 am liebsten.

Mischen Sie Früchte und Zucker ordentlich, lassen Sie den Topf einige Stunden oder sogar über Nacht stehen.

Noch mal umrühren und das Ganze zum Kochen bringen.

Wenn’s kocht, auf die Uhr gucken.

Verwenden Sie einen Deckel als Spritzschutz. Wie sie das mit nur zwei Händen und rutschigem Topfboden machen, müssen Sie selbst herausfinden.

Rühren Sie!

Hören Sie bloß nicht auf zu rühren.

Glauben Sie den Angaben zum Kochvorgang auf der Zuckerpackung kein Wort. Ich finde, die sind immer zu lang angegeben, was auch an der Fruchtmus-Gelierzucker-Mischmasch-Wartezeit liegen könnte. Vertrauen Sie Ihrem eigenen Gefühl, und dem Kochlöffel. Manche sagen, man solle einen im Eisfach gekühlten oder zumindest einen Teller benutzen, ich sage: unnötig. 

Heben Sie den Löffel mit etwas Kochgut aus dem Topf, lassen Sie alles abtropfen. Bleibt der letzte Tropfen hängen, ist die Konfitüre fertig. Kommt natürlich auch darauf an, ob Sie eher schnittfeste Konfitüre in Wackpuddinganmutung wollen, oder lieber cremig-schlonzige. Fräulein ist #Teamschlonzig. Die rote Kirschpflaumenkonfitüre ist diesmal allerdings verunglückt und nun viel zu fest, ach je.

Jetzt schnell (!) in saubere und sterile Gläser füllen. „Bis zum Rand“ braucht dabei durchaus Fingerspitzengefühl, seien Sie ruhig mutig. Und benutzen Sie einen Marmelade-Trichter.

Deckel drauf, fest verschließen (Vorsicht, heiß), auf den Kopf stellen und abkühlen lassen. Die Gläser, nicht Sie sich. Obwohl, abkühlen lassen dürfen Sie sich, wird ganz schön heiß am Herd.

Freuen. Kochlöffel ab-, Topf ausschlecken. Mehr freuen.

Brot backen, oder Brezeln oder Brötchen oder Scones.

Mit Marmelade bestreichen, hineintunken, löffelweise essen. Ganz viel freuen.

Für Ungeduldige die Kurzfassung:

• pürieren

• mischen

• warten

• rühren

• kochen

• füllen

Vergessen Sie nicht, Ihre Gläser zu beschriften, falls Sie mehr als eine Sorte in ähnlicher Farbe kochen. Ungeöffnet dunkel und nicht zu warm aufbewahren; geöffnet im Kühlschrank.