Hallo, Fräulein

Freies Fräulein?

Verfügbarkeit jetzt prüfen.

Sandra Walzer, Fräulein Ideenfinderin

Fräulein folgen:

Brille zum Hören oder: Wie Edgar Allan Poe in mein Handschuhfach einzog

Natürlich kenne ich Edgar Allan Poe. Sollte man ja auch. Gehört zur Allgemeinbildung. Und natürlich kenne ich seinen Raben, ich muss allerdings gestehen, noch gar nicht so sehr wahnsinnig lange. Nicht so lange, wie es gut wäre. Aber nun, ich kenne und liebe ihn. Sehr viel mehr kannte ich aber von Poe nicht, also fragte ich.

Eine Einladung an Mister Edgar Allan Poe

Die von mir sehr geschätzte Lilian alias Textzicke, mir als Poe-Freundin bekannt, wurde sofortigst angesprochen und: Hey, Liebelein, sag mir doch bitte mal – mit was starten? Was unbedingt? Was nicht? Was vielleicht? Wie aus der sprichwörtlichen und zu Poe hervorragend passenden Pistole geschossen kamen Ideen, und es kam (wir nähern uns mit Riesenschritten dem Inhalt dieses Blogbeitrags) in Großbuchstaben, dass es eine Geschichte mit dem vielversprechenden Titel „Die Brille“ gäbe.

Edgar Allan Poe Hörspiel "Die Brille" gehört von Sandra Walzer

DIE BRILLE! VON POE! KREISCH! Mit Ausrufezeichen! Dass die dazugehörige Recherche sofort eingeleitet wurde, versteht sich von selbst. Meine Einladung an Mister Poe ging postwendend raus, und kurz drauf landete er in Form einer lila Klapphülle auf meinem Tisch respektive im Auto. Eine längere Fahrt stand im Terminkalender und bot sich als Blogrecherche an. Damit habe ich dann auch mal den CD-Player im Auto eingeweiht, der sich – das nur nebenbei bemerkt – im Handschuhfach versteckt. Logisch.

(Zu Ende gehört wurde das gute Stück dann übrigens via Kopfhörer. Nur falls schon jemand Luft geholt hat, um über die nachfolgenden Fotos zu lamentieren.)

Edgar Allan Poe Hörspiel gehört von Sandra Walzer, Brille Etnia Barcelona, Sennheiser InEars Edgar Allan Poe Hörspiel gehört von Sandra Walzer, Sennheiser Kopfhörer InEars Edgar Allan Poe Hörspiel "Die Brille" gehört von Sandra Walzer

Play.

„Vor vielen Jahren war es Mode, die sogenannte Liebe auf den ersten Blick lächerlich zu machen.“

Pause.

So lautet der erste Satz, und lächerlich ist ganz bestimmt nicht, was der gute Mister Poe uns da mit auf den Weg gegeben hat. Vielleicht ist es sogar moderner denn je, erst einmal genauer hinzusehen, bevor wir uns ein Urteil erlauben oder eine Meinung bilden. Doch dies soll kein gesellschaftskritischer, literaturkritischer oder gar politischer Blogpost werden. Es soll ein romantischer werden. Und was das alles mit Brillen zu tun hat, soll vor allen Dingen nicht länger ein Rätsel bleiben. Wohl an: So hört, was Edgar Allan uns da geschenkt und wem Johannes Steck seine Stimme geliehen hat.

Play.

Ein junger Mann mit, wie er sagt, leichter Sehschwäche, verliebt sich auf den ersten Blick. Wunderschön ist sie, findet er, und ist begeistert, dass sie allen geltenden Benimmregeln zum Trotz ihr Lorgnon zückt, um ihn näher zu betrachten.

Pause.

Lorgnon, ich gebe zu: Ich musste das erst nachlesen. Aus dem Französischen, soweit klar, und eine Sehhilfe mit Griff, sozusagen. Am Griff wiederum lässt sich eine Kette befestigen, sodass das brillenähnliche Gerät um den Hals getragen und überall hin mitgenommen werden kann. Sehr praktische Erfindung, hätte auch der Hauptfigur im Hörspiel gut zu Gesicht gestanden. Die Gläser in der Mitte jedenfalls sind beim Lorgnon durch einen Bügel verbunden, sodass das Ganze schon sehr in Richtung Brille geht – nur eben ohne Bügel.

Im 18. und 19. Jahrhundert war das Lorgnon vor allem bei Frauen sehr beliebt; noch praktischer wurde es als faltbare Version einer „Klappbrille“.

Play.

Wie dem auch sei – die Liebesgeschichte nimmt einen rasanten Verlauf. Heute würde man wohl auf gut Englisch raunen, well, that escalated quickly. Es wird ruckzuck geheiratet, aber ach! Der Schein trügt, und Mister Smith sieht sich mit seiner Madame Lalande in einer schier ausweglosen Situation.

Edgar Allan Poe Hörspiel gehört von Sandra Walzer, Sennheiser InEars

Spoiler: Geschichte mit happy end

Um nicht zu viel zu verraten, sei nur so viel gesagt: Es geht gut aus. Dank Brille. Obwohl es zunächst dank Brille überhaupt nicht gut aussah. Dann aber sogar richtig gut. Etwa 70 Minuten dauert die Lesung, die ganz ohne Tamtam und Firlefanz auskommt, nur von der Sprecherstimme getragen. Keine Musik, keine Geräusche, und doch wird es nie langweilig. Die Erzählung zieht einen in ihren Bann, und die Moral von der Geschicht’: Verlege deine Brille nicht. Sei dir aber vor allem nicht zu fein, sie zu tragen.

Die Stimme zum Spiel

Was ich an Sprecher Johannes Steck sehr mag, ist nicht nur seine Stimme. Die auch. Er schafft es, dem Hörspiel Emotionen zu verleihen und es bis zum Schluss spannend zu halten. Aber ich mag vor allem auch, dass Steck eine Ausbildung zum Theatermaler gemacht hat, und dass er glaubte, irgendwann von der Malerei würde leben können. Und dass er heute tatsächlich malt, eben mit Worten. Schön ausgedrückt, Herr Synchronsprecher. Dass Steck auch schon ein Stück von Ringelnatz gesprochen hat, erscheint mir nur natürlich. Den liebe ich nämlich fast noch mehr als Edgar Allan Poe. (Rilke auch. Herrje! Herr Steck! Wir werden wohl engere Freunde, denke ich.)

Edgar Allan Poe Hörspiel gehört von Sandra Walzer, Brille Vera Wang

Stop.

Wer also mal auf anderem Weg mit Poe in Berührung kommen will, dem sei “Die Brille” als Audiobuch ans Herz und ins Handschuhfach (oder wo immer sich Ihr Abspielgerät befindet) gelegt.

Über die Autorin

Sandra Walzer ist Fräulein mit Brille: Storyteller, Brillenbloggerin. Ich erzähle die Geschichten durch zwei Gläser gesehen und kämpfe gegen die Tücken und Flecken des Brillenträgerinnenalltags.

Einen Kommentar schreiben

You don't have permission to register