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Sandra Walzer, Fräulein Ideenfinderin

Fräulein folgen:

"Schließe die Augen auch von innen."
Yogalehrer, immer

Fünf Tage Yoga liegen hinter mir. Fünf Tage Yogaretreat im Allgäu, das bedeutet: fünf Tage mit viel frischer Luft und Sonne, mit ganz viel Ruhe und mit insgesamt 15,5 Stunden Yogapraxis der durchaus anstrengenden Art. Viel schwitzen, viel dehnen, viel biegen, viel knoten und vor allem viel atmen.

Alle Aufmerksamkeit auf mich

Es bedeutet, auf sich selbst und in sich hinein zu schauen, zu hören, zu spüren. Dem eigenen Körper Aufmerksamkeit zu schenken, zu verstehen: Wie geht’s mir denn jetzt grade, in diesem Augenblick? Was sitzt mir im Nacken, was lässt mich die Schultern hochziehen, was verspannt mir den Rücken? Es hat vor allem damit zu tun, den Blick nach innen zu richten. Immer wieder heißt es: „Egal, was um dich herum passiert – sei ganz bei dir“, und in der Entspannungsphase: „Schließe die Augen auch von innen“.

Genau das habe ich getan, die Augen geschlossen und ganz tief geblickt. Ganz weit geschaut, wie geht es mir, was tut mir gut … Brille? Habe ich auf der Matte keine auf. Meine doch eher schweren Modelle würden nur die ganze Zeit rutschen und mir sämtliche Verknotungen schwer machen. Zudem befindet sich der geneigte Yogapraktizierende doch öfter mal in Kopfüberhaltungen, neee, das ist nix mit Brille. Angenehmer Nebeneffekt: Ich sehe nicht alle Yoga-Pros im Raum scharf. Ja, ich weiß ich weiß, Yoga ist kein Wettbewerb, es ist mein Yoga, ich weiß nicht, ob der oder die andere schon seit Jahrzehnten übt, es ist nicht wichtig, ob jemand noch tiefer in die Position kommt oder noch besser lalalala.

Graz Brille und Yogamatte bei Fräulein Walzer

Besser, wenn’s unscharf bleibt

Trotzdem. Genau dafür, um genau das zu verinnerlichen und alles um mich herum auszublenden, dafür ist etwas Unschärfe gut. Im Allgäu hatte ich natürlich trotzdem Brillen dabei, ist ja klar, irgendwann geht es dann auch mal runter von der Matte und rauf auf die Wiese, an den See, ins Café, auf die Schaukel und zum Essen. Da sehe ich dann ganz gerne, was um mich herum los ist, und mit wem ich da überhaupt unterwegs bin. Standardfrage einer Person, die mich noch nicht kannte: „Uoaarrr saaag mal, wie viele Brillen hast du denn bitte dabei? Ich habe dich glaube ich noch nicht einmal mit derselben gesehen.“ Stimmt.

Ich kann einfach nicht nur mit einer einzigen Brille verreisen. Aber das ist ein anderes Thema und bietet genug Stoff für mindestens einen weiteren Bogbeitrag. Ein mitgereister Yogi, ebenfalls Brillenträger, erwähnte dort im Retreat irgendwann, wie unangenehm die Positionen seien, in denen der Kopf seitlich auf der Matte liegt. Weil da die Brille drückt. Erst da wurde mir bewusst: Ja klar, es gibt durchaus auch Menschen, die beim Yoga Brille tragen. Interessant ist das; ich muss noch mal genauer nachhaken, welche Asanas, also welche Übungen da gut, welche gar nicht funktionieren. Kann mir das zwar schon ungefähr denken, aber ausprobiert oder bewusst beobachtet habe ich es noch nie. Vielleicht, weil ich so sehr nach innen geblickt habe.

Über die Autorin

Sandra Walzer ist Fräulein mit Brille: Storyteller, Brillenbloggerin. Ich erzähle die Geschichten durch zwei Gläser gesehen und kämpfe gegen die Tücken und Flecken des Brillenträgerinnenalltags.

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