Hallo, Fräulein

Freies Fräulein?

Verfügbarkeit jetzt prüfen.

Sandra Walzer, Fräulein Ideenfinderin

Fräulein folgen:

Das Wasser kocht, die Brille beschlägt

Das Wasser kocht! Hey, hallo, das Wasser kocht! Ja, danke, nicht zu übersehen. Brillenträger, die wenigstens einmal in ihrem Leben schon am Herd über dem dampfenden Topf standen, wissen, wovon ich rede. Das Wasser kocht, die Brille beschlägt. Kausalkette, ewig gleiche, ich hasse dich. Also ohne Brille kochen? Dann kann es je nach Schärfegrad (des eigenen Sehvermögens, nicht des zubereiteten Gerichts) schnell mal schiefgehen mit Salz und Pfeffer. Schwupps, biste verliebt, haste versalzen. Metaphorisch gemeint, das erste.

Mit Fettfingern die Fassung verloren

Es ist ja nicht nur der Wasserdampf. Es sind die Fettfinger, die die Brille an die richtige Nasenstelle schieben. Die Teigfinger, die unbemerkt Reste an der Fassung hinterlassen, was bedeutet, dass ich die Fassung vollends verliere, wenn das Zeug erst mal angetrocknet ist. Es sind die Saucenspritzer, die das Sichtfeld einschränken, oder, ha! Die Teigspritzer vom Mixer, der schwungvoll das leckere Kuchenrohgemisch überall hinverteilt, bevorzugt auf die Brillengläser. Und was ich wirklich anprangere: Es sind ja auch die Tränen beim Zwiebelschneiden. Denn davor schützt vielleicht, wenn überhaupt, maximal die komplett dicht abschließende Taucherbrille, nicht aber die hundsnormale Korrektionsbrille.

KBL Eyewear Brille und Sparschäler bei Sandra Walzer KBL Eyewear Brille und Besteck bei Sandra Walzer

Die ist dann einfach nur im Weg, wenn man verzweifelt versucht, den brennenden Augen mit dem Handrücken Kurzzeitlinderung zu verschaffen. Man steht vor der Wahl zwischen Zwiebelfinger-Brillebeiseitelegen oder haltlos Weinen. Dilemma. (Dazu werde ich auch noch einen Blogbeitrag verfassen. Die Dichtigkeitsmessung der Taucherbrille in Bezug auf das Zwiebelschneiden. Oder so.)

Brillenlos Rezept gucken? Unmöglich.

Jedes Mal „kurz Hände waschen“ kostet nicht nur Unmengen Wasser, sondern außerdem auch Nerven. Mal eben waschen, mal eben abtrocknen, Brille rücken, aufziehen, abziehen, neee, nee wirklich nicht. Was also tun? Mit meinen Werten (-1,75 und -1,5 glaube ich) lässt es sich theoretisch noch ganz gut ohne Brille kochen. Aber, ABER: Was, wenn es nach Rezept geht? Wenn das Kochbuch wahlweise in gedruckter Form neben mir oder in digitaler Form auf Tablet oder gar mini Smartphone-Display zur Verfügung steht? Dann wird es auch für mich heikel. Im Sinne von unscharf.

• 150 g Zucker, oder doch 250?
• 300 g gesiebtes Mehl oder eher geschäumte Milch?
• 2 Eier, oder waren es 3?

Und es sind ja nicht nur die Verleser, sondern auch die Vergesser. Äh, wie viel noch mal? Da ist das technisch so hoch entwickelte Gerät schon wieder im Ruhezustand, während ich mich langsam in den Auflösungszustand begebe. Wenn ich gucke, will ich sofort erkennen, von was wie viel. Dann also doch lieber mit Brille, geht schon irgendwie.

Blind vorm Backofen

Eine gute Brille sollte ja auch nicht rutschen, nicht wahr. Spritzer lassen sich später beseitigen, Fettfingerabdrücke ebenso. Und die beschlagenen Gläser, nun ja, dann guckt Brillenträger eben am Topf vorbei, hält den Kopf leicht schräg, es findet sich eine Lösung. Gilt im Übrigen auch für den Moment, wenn man die Spülmaschine ausnahmsweise doch zu früh aufreißt, weil man eben dringend einen Kochlöffel … die Schüssel … hier, Dings. Dringend. (Heiß!) Das ist ja dann der Moment, in dem man mit völliger Blindheit geschlagen ist, für einen kurzen Augenblick, und dasteht wie der Ochs vorm Berg. Einundzwanzig, zweiundzwanzig, ja, haha, los, abkühlen, ent … wie heißt das Gegenteil von beschlagen? Entschlagen?

KBL Eyewear Brille und Kochlöffel bei Sandra Walzer KBL Eyewear Brille und Kochtopf bei Sandra Walzer

Gilt ebenso beim Backofen, wenn sich in selbigem eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit befindet, sei’s durch den hohen Saucenanteil, sei’s die Schale mit Wasser zum Verdampfen beim Brotbacken, es entfleucht ein Schwall an Dampf, und wer nicht schnell genug den Kopf wegdreht, steckt wieder mittendrin in der Nichtsicht. Das aber nur am Rande. Hier geht es jetzt weiter, das Wasser kocht schließlich. Deshalb sage ich schon mal:

Guten Appetit.

KBL Eyewear Brille und Besteck auf dem Esstisch bei Sandra Walzer KBL Eyewear Brille und Kochtopf – Kochen mit Brille bei Sandra Walzer

PS: DAS ist ja dann noch so was. Hat man das Kochen mit Brille überstanden, kommt das Essen mit Brille. Je nach Modell und Größe heißt das, man konzentriert sich ein Essen lang darauf, entweder unterm unteren Rand durchzuschauen oder doch durch die Gläser, Kopf etwas höher, etwas tiefer, hier die Gabel, der Löffel, zum Mund … WAAAH. Wie machen Sie das? Ohne Brille essen? Oder schielen? Sagen Sie doch mal, bitte.

Über die Autorin

Sandra Walzer ist Fräulein mit Brille: Storyteller, Brillenbloggerin. Ich erzähle die Geschichten durch zwei Gläser gesehen und kämpfe gegen die Tücken und Flecken des Brillenträgerinnenalltags.

Kommentare

  • Señor Rolando
    1. Februar 2016

    Jetzt, wo Du so fragst: Am Herd und bei Tisch setze ich die Brille tatsächlich gern ab.

    Klappt super. Aber ich gönne mir auch den Luxus recht schwacher Brillengläser. Das hilft natürlich.

  • Martin
    4. Februar 2016

    Also die Frage ist bei mir leicht beantwortet. Ich bin ziemlich hochgradig weitsichtig, ohne Brille beim essen wäre für mich ein “blind dinner”.

Einen Kommentar schreiben

You don't have permission to register