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Sandra Walzer, Fräulein Ideenfinderin

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Buddy Holly’s Brille

Ich brauche 80.000 Dollar. Und ich muss nach Texas. Genau genommen brauche ich mehr als 80.000 Dollar. Und Hin- und Rückreise nach/von Texas, möglichst bezahlbar. Vielleicht brauche ich noch etwas mehr als etwas mehr als 80.000 Dollar.

Warum ich einen Altar und eine ziemlich gute Hausratversicherung brauche

Anschließend brauche ich außerdem eine Vitrine, oder noch besser: einen Altar. Und eine extra Klausel in der Hausratversicherung. Oder eine Brillenversicherung. Kann man Brillen versichern, also, jene, die man nicht trägt? Es ginge da um ein Sammlerstück. Liebhaberobjekt. Etwas mehr als 80.000 Dollar wert. Es handelt sich nämlich nicht um irgend eine Brille. Sondern um die Brille von Buddy Holly.

Alles begann mit einem kleinen Tweet. Und einem Link, der hierhin führte. Nach der anfänglichen Schnappatmung begann ich zu lesen, noch schnappender zu atmen, mehr zu lesen und anschließend japsend zu atmen, unter anderem vor Lachen. Ja, tatsächlich lebte ich mein Leben bis Ende Dezember 2016, ohne zwei elementare Dinge zu wissen. Elementares Ding 1: was mit der Brille von Buddy Holly geschah. Elementares Ding 2: dass es ein Lied über Buddy Holly’s Brille gibt. Und nicht nur ein Lied, sondern auch ein Museum in Lubbock, Texas, USA. Buddy Holly’s Geburtsort. Dort lässt sich ein monströses Modell seiner „Signature Glasses“ begutachten, also wirklich groß, und wirklich großartig. Aber das ist nicht, was ich für etwas mehr als 80.000 Dollar erwerben will. Sondern: Buddy Holly’s Brille. Die echte. DIE ECHTE!

Die Brille ihres Mannes hat Maria Elena Diaz-Holly eben jener Stadt in Texas verkauft. Im dortigen Buddy Holly Center ist die Brille zu sehen, das schwarze auffällige Modell, das einfach grandios aussieht und mein Herz heftig hopsen lässt. Eine Fünfziger-Jahre-Hommage, in Acetat gepresst. (Zum Zwischendurchhören: That’ll Be The Day, der größte Hit von Buddy Holly)

Die Geschichte hinter dieser Brille ist eine tragische. Denn sie lag 22 lange Jahre verstaubt und vergessen im Büro eines Sheriffs, jenes Sheriffs, der 1959 damit betraut wurde, die Ursache des Flugzeugabsturzes zu klären, bei dem Buddy Holly ums Leben kam.

„The day the music died“

Ein Instrumentenablesefehler des Piloten war schuld, vermutlich, sagt man, aufgrund dessen das Flugzeug in den Morgenstunden des 3. Februar 1959 abstürzte. An Bord: Ritchie Valens, Jiles Perry Richardson alias The Big Bopper und eben Buddy Holly, unterwegs zu ihrem nächsten Tour-Stop. Alle drei kamen ums Leben; „the day the music died“. Diese Liedzeile in „American Pie“ von Don McLean ist jenem Unglück gewidmet. Eine kurzweilige 5-Minuten-Doku zum Tod von Buddy Holly, Ritchie Valens and The Big Bopper gibt es hier zu sehen.

Viel blieb nicht übrig … Die wenigen Habseligkeiten von Buddy Holly wurden von der Bundespolizei eingesammelt. Darunter: die blutige Brille. Irgendwie wurde die dann vergessen und der Familie erst 22 Jahre später übergeben. Hollys Frau wiederum verkaufte dieses Stück Zeit- und Musikgeschichte an die Stadt – so schließt sich der Kreis.

Die teuerste Brille der Welt

Dabei ist die Brille von Charles Hardin Holley, wie er mit bürgerlichem Namen hieß, nicht die einzige, die Hollys Witwe verkaufte. 1998 kam das erste von zwei Exemplaren bei Sotheby’s unter den Hammer, für 50.000 Dollar. Damals die teuerste Brille der Welt, getoppt nur durch oben genanntes Original. 22 Jahre lang lag die Brille verborgen im Büro des Sheriffs. 22 Jahre alt geworden ist Buddy Holly. Traurige Parallelen in Leben und Tod eines Künstlers, der trotz seiner so kurzen Karriere riesigen Einfluss auf die Musikergenerationen nach ihm hatte und hat.

Ein Vollblut-Musiker, ein Vorreiter des Rock’n’Roll, der John Lennon und Paul McCartney genauso beeindruckte wie Eric Clapton und Elton John (ob da wohl auch die Brillensache eine Rolle spielt? Das wird zumindest behauptet …), Bob Dylan und Keith Richards. Bruce Springsteen hört sogar vor seinen Konzerten Buddy Holly. Im Detail nachzulesen hier. Meinen Hut und sämtliche Brillen ziehe ich vor diesem Mann, der fast alle seine Stücke selbst geschrieben hat, und dessen Idee einer Rockband mit zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug die Beatles kopiert haben.

Und jetzt auf ans Sparschwein und ab nach Texas. Sogar eine Themenstadtführung gibt es dort, ihm zu Ehren. Buddy, ich eile! Ach, übrigens, Farin und Bela: Ich lachte. Laut. Auch wenn eure Frage, wo Buddy Holly’s Brille jetzt ist, nun ausreichend beantwortet und ihre von euch besungene Verwesung widerlegt sein dürfte.

Dieser Blogbeitrag wurde veröffentlicht am 3. Februar 2017, dem 58. Todestag von Buddy Holly. Buddy, ich hoffe, du rockst da oben! Hast ja zuletzt mächtig Verstärkung bekommen.

Über die Autorin

Sandra Walzer ist Fräulein mit Brille: Storyteller, Brillenbloggerin. Ich erzähle die Geschichten durch zwei Gläser gesehen und kämpfe gegen die Tücken und Flecken des Brillenträgerinnenalltags.

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