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Brillenträgerin des Monats 03/2016

Brillenträgerin des Monats März 2016: Motorradfahrerin, Sportreporterin, Brillenträgerin

Nadja Eckerle

Zwischen Schwarzwald und Schottland: Nadja Eckerle ist eine Frau der Extreme. Kein Wunder, dass ich sie so mag. Sie ist Reporterin und kann mit Fußballern genauso wie mit Trainern, vor der Kamera ebenso wie dahinter, schreibt Bücher und fährt Motorrad – und bei all dem trägt sie Brille. Wie das so ist und geht, hat sie mir verraten, und ich verrate es euch. Hier. Mit der Brillenträgerin des Monats März, und mit ein paar richtig guten Tipps. Nicht nur zum Umgang mit Brille. Apropos Tipp: Der Buchtipp dazu, weil allein der Titel schon so wunderbar ist: Der Motorradfahrer, der aus der Garage fuhr und verschwand.

Du hast mir verraten, dass Du seit fast 40 Jahren Brille trägst. Dazu habe ich zwei Fragen, die einer Frau ja irgendwie gar nicht gestellt werden sollen, die sich hier aber aufdrängen. Ich frage einfach mal. Zum einen: Wie alt bist Du denn? Und dann als logische Konsequenz: Wie alt warst Du also, als Du die erste Brille bekommen hast?

Es war der Klassiker in der zweiten oder dritten Klasse – ich konnte nicht sehen, was an der Tafel stand. Also alle Mann (bzw. Mädels) zum Optiker und ich hatte meine erste Brille. Ich glaube ich habe verdrängt, wie die aussah. Ist ja auch fast 40 Jahre her.

Und wie war das, mit der ersten Brille? Doof?

Ich kann mich ganz ehrlich nicht mehr wirklich erinnern, ich glaube ich habe das einfach so hingenommen. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass ich jemals gehänselt wurde wegen der Brille.

Mit Deiner „Vorwarnung“, dass Du Experte in Sachen Brillen bist, hast Du nicht übertrieben. Ein bisschen fürchte ich mich ja. Ich bin schließlich erst mit Anfang 20 eingestiegen … Ich hoffe, Du erzählst mir „Newbie“ trotzdem ein bisschen was. Zum Beispiel, wie viele Brillen Du besitzt.

Ich werfe keine Brillen weg, ich spende immer mal wieder die ganz alten, die meisten aber bleiben und deshalb habe ich inzwischen schon so einige, ich glaube, wenn ich alle Schubladen durchgehe, komme ich so auf ungefähr zehn oder so … Weniger als Schuhe jedenfalls!

Nadja Eckerle, Sportreporterin, Moderatorin SWR bei Brillenfräulein Sandra Walzer

Ganz kurz angerissen hast Du mal, dass Lesebrillen, Verlaufsbrillen, Motorradbrillen, … bei Dir zu Hause sind. Die drei Punkte interessieren mich besonders. Was denn noch?

Die Sammlung umfasst Motorradbrillen (die gute und die weniger gute), Lesebrillen (die intellektuelle und die weniger intellektuelle), die Verlaufsbrille (weit und nah) für jeden Tag, Fernbrillen, Ausweichbrillen, Notbrillen, Lieblingsbrillen … Es passt ja nicht jede zu jeder Stimmung und zu jedem Outfit.

Hurra! Jemand, der mich versteht. Also gleich noch mal tiefer ins Detail. Lesebrillen. Nur fürs Lesen? Wie stark sind denn Deine Gläser?

Muss ich nachsehen, das weiß ich überhaupt nicht.

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Also ohne Brille so eine Art Grottenolm.

Grottenolm <3 Glaub mir, ich habe auch schon Menschen mit höheren Werten getroffen, die vom Grottenolm genauso weit entfernt waren wie Du es bist. Aber hier, diese Verlaufsbrillen. In bunt? Oder wie muss ich mir das vorstellen?

Nein, nicht bunt, die Seniorenvariante, sehr praktisch bei der Arbeit im Stadion: Oben für die Weitsicht (War das abseits?) und unten für die Nahsicht (notiere Uhrzeit beim 1:0).

Ah sooo. Gleitsicht. Verlauft. Wie auch immer. Aber hey, spannend – ich kann das jetzt, wo Du es sagst, sehr gut nachvollziehen. Dass die Gleitsicht da natürlich extrem praktisch ist. Aber mal weiter im Text, denn jetzt wird’s für mich besonders interessant. Motorradbrillen. Du meinst wahrscheinlich nicht die normalen Schutzbrillen, die mir da in den Sinn kommen, oder? Erzähl mal genauer, bitte.

Ich meine ganz normale Sonnenbrillen, die schmale Bügel haben, damit sie unter dem Helm nicht drücken, das ist selbst bei der Halbschale wichtig. Gleichzeitig müssen sie Gläser haben, die so breit sind, dass bei 130km/h die Augen nicht tränen, dazu getönt damit man bei Gegenlicht auch sieht, wohin man fährt.

Nadja Eckerle, Sportreporterin, Moderatorin SWR bei Brillenfräulein Sandra Walzer

Besagter Helm.

Nadja Eckerle, Sportreporterin, Moderatorin SWR bei Brillenfräulein Sandra Walzer

On the road again.

Harley Davidson von Nadja Eckerle, Sportreporterin, Moderatorin SWR bei Brillenfräulein Sandra Walzer

Überhaupt, Motorrad fahren mit Brille. Stelle ich mir gar nicht so einfach vor. Was hast Du gemacht, als Du noch keine extra Motorradbrille hattest? Ging das denn? Ich fluche ja schon beim Spazierengehen oder Radfahren.

Er ist schon alles etwas komplizierter, man muss ja immer zwei Brillen mitnehmen, wenn man in die Dunkelheit kommt. Das gilt auch ganz allgemein ohne Motorrad. Man hat ja nicht immer die Hände frei, um die Brillen (zwei Etuis, eine Tasche, zwei Hände) zu wechseln. Ganz oft machen Menschen spöttische Bemerkungen, wenn man mit der Sonnenbrille (mit Brillenstärke) einen Raum betritt. Hat aber weniger mit dem Bedürfnis cool zu sein zu tun als mehr mit dem Mangel an freien Händen. Steckte ich die Brille in die Haare, würde ich niemanden erkennen (siehe Grottenolm).

Nadja Eckerle, Sportreporterin, Moderatorin SWR bei Brillenfräulein Sandra Walzer

Und wie ist das dann mit dem Gepäck? Klingt ja allein schon für die Brillen etwas kompliziert. Und ich weiß, dass Motorradausflüge ja vieles sind, aber sicher nichts für viel Zeug. Wie ist es da mit dem Brillenetui? Und der Wechsel-/Sonnenbrille? Und allem anderen?

Das ist bei meiner Harley nicht ganz so einfach, die Seitentasche ist winzig und das Brillenetui muss sehr stabil sein. Sind meine aber alle, ich bin einmal sogar in einer hektischen Situation bei der Tour de France (versehentlich aber zum großen Amüsement meiner Kollegen) mit dem Auto über ein Etui gefahren, es hat überlebt, samt Brille!

Uh! Ah! Autsch. Hui. Puh. Na zum Glück ist das gutgegangen. Und jetzt mal “rüber auf die Insel”, denn: Du verbringst viel Zeit im Jahr in Deiner zweiten (oder ersten? Oder Wahl-?)Heimat Schottland. (Worüber ich gerne noch viel mehr wissen würde, nebenbei bemerkt. Hach. Ja.) Für mich so als Laien und Nicht-Schotten passiert da Folgendes vor meinem inneren Auge: Es regnet. Und windet. Nahezu ununterbrochen. Wie ist es denn dort mit Brille?

In Schottland bin ich ca. drei Monate im Jahr. Alle Outdooraktivitäten (Motorrad fahren, wandern, Boot, Rad) sind mit Brille gewöhnungsbedürftig, es ist sehr windig, sehr nass und sehr salzig. Dafür braucht man da die Sonnenbrille aber nicht so oft.

Nadja Eckerle, Sportreporterin, Moderatorin SWR bei Brillenfräulein Sandra Walzer – in Schottland

Applecross, Schottland

Nadja Eckerle, Sportreporterin, Moderatorin SWR bei Brillenfräulein Sandra Walzer

Castle Tioram, Schottland

Nadja Eckerle, Sportreporterin, Moderatorin SWR bei Brillenfräulein Sandra Walzer

Eilean Donan, Schottland

Nadja Eckerle, Sportreporterin, Moderatorin SWR bei Brillenfräulein Sandra Walzer

The long and winding road …

Hast Du nie über Kontaktlinsen nachgedacht? Oder Laser?

Habe ich und auch mal versucht. Meine Augen werden dick und ich sehe nicht gut genug, wegen der Zylinder. Bei Astigmatismus muss die Linse exakt sitzen, damit man die richtige Sehschärfe hat. Das ist bei einer Kontaktlinse schwierig. Außerdem sieht man auf dem Motorrad nichts mehr im Wind, ich fahre ja mit Halbschale, also immer offen.

Noch mal Stichwort Schottland. Die Brillenträger nennt man dort „Speckies“ hast Du mir verraten. Ich weiß ja noch nicht, wie ich das in der deutschen Version finde, aber an sich ein lustiger Spitzname. Warum überhaupt? Also, warum gibt es einen Spitznamen für Brillenträger? Und: wie findest Du den?

Mich stört das nicht, für mich ist eine Brille kein Kriterium, das mich von anderen unterscheidet. Sie gehört zu mir. Was andere denken kann ich nicht beeinflussen. Was ich aber liebe, ist der Humor, mit dem man im Vereinigten Königreich damit umgeht. Die Brillenfirma Specsavers sponsert die Schiedsrichter und hat Fernsehwerbungen, über die ich mich jedes Mal kaputtlachen könnte. Ich sag nur John Cleese

Schiedsrichter-Sponsoring, das ist ja großartig. Herrlich. Ich liebe sowas. Gut; die Freizeit hatten wir. Switchen wir von Schottland zum SWR, von privat zu Job. Du bist Journalistin/Reporterin, machst vor allem viele Produktionen in Sachen Fußball in und aus der Region, aber längst nicht nur. Wie ist es denn da mit Brille, in den Sporthallen dieser Welt?

Also, wenn man im finnischen Kuusamo bei -25°C an der Skisprungschanze die Interviews gemacht hat und dann schnell in das Schnittmobil huscht, um die Minute für die Nachrichten zu schneiden, dann sieht man erst mal gar nichts. Text schreiben ist dann schwierig. Beim Fußball hat sie mich nie gestört, ich glaube sogar, dass sie in meiner Anfangsphase (1999) von Vorteil war. Da kannte mich noch keiner und blonde Frauen wurden im Stadion gerne mal nicht ernst genommen, vielleicht hat die Brille da einen gewissen wissenden Touch verliehen.

Nadja Eckerle, Sportreporterin, Moderatorin SWR bei Brillenfräulein Sandra Walzer

Das habe ich schon öfter gehört … Kann schon sein. Hm. Ich habe dazu auch immer noch ein wunderbares Interview in petto, fällt mir da ein. Das aber nur am Rande. Du führst also viele Interviews. Magst Du die Brille da, vielleicht als „natürliche Barriere“? Oder stört sie Dich manchmal?

Sie stört oft meine Kameramänner, die benutzen ein Weitwinkelobjektiv für die Interviews, ich stehe neben der Kamera und ganz oft schleicht sich da das Brillengelenk ins Bild. Ich bräuchte Gorillaarme, damit ich weit genug nach hinten stehen und den Fußballern trotzdem noch das Mikrofon unter die Nase halten kann.

Grottenolm mit Gorillaarmen … Lassen wir das. (Ich muss sehr lachen.)

Und dann bist Du ja auch noch Buchautorin. (Was bist Du eigentlich nicht? Hui!) Da verbinden sich Schreiben und Fahren, weil es um Motorradtouren im Schwarzwald geht. Ich könnte jetzt noch mal fragen, wie die Brille das Schreiben und oder das Motorradfahren beeinflusst, aber das hatten wir schon. Andere Frage deshalb: Als Autorin wird man ja immer wieder nach einem Porträtfoto gefragt. Magst Du Fotos von Dir mit Brille? Oder wäre es Dir ohne lieber?

Ich mag generell nicht gerne fotografiert werden. Deshalb sind mir in der Tat Bilder von mir mit Sonnenbrille am liebsten. Äußerlichkeiten versuche ich nicht so wichtig zu nehmen, ich lese den Kicker und nicht die Gala.

Nadja Eckerle, Sportreporterin, Moderatorin SWR bei Brillenfräulein Sandra Walzer Nadja Eckerle, Sportreporterin, Moderatorin SWR bei Brillenfräulein Sandra Walzer

Schwarzwald. Ich hänge da gedanklich noch fest. Wie ist es eigentlich, jetzt mal unabhängig vom allgemeinen Brillen-Motorrad-Ding – im Wald ist es ja schnell mal richtig dunkel; biegst Du um die nächste Kurve, zack – gleißender Sonnenschein. Wie machst Du das? Sonnenbrille auf und hoffen? Oder normale Korrektionsbrille und Augen zusammenkneifen?

Ich fahre eigentlich immer mit Sonnenbrille und im schlimmsten Fall einfach nach Gehör

Nadja Eckerle, Sportreporterin, Moderatorin SWR bei Brillenfräulein Sandra Walzer

Glenshiel, Schottland

Nadja Eckerle, Sportreporterin, Moderatorin SWR bei Brillenfräulein Sandra Walzer

Loch Duich, Schottland

Nadja Eckerle, Sportreporterin, Moderatorin SWR bei Brillenfräulein Sandra Walzer

Loch Duich, noch mal, mit Harley

Nadja Eckerle, Sportreporterin, Moderatorin SWR bei Brillenfräulein Sandra Walzer

Esha Ness, Schottland (ohne Ungeheuer, mit Gänsehaut)

 

DAS HABE ICH ÜBERHÖRT. ÜBERLESEN. Dafür sage ich an dieser Stelle einfach ganz laut DANKE für Deine Antworten und Deine wunderbaren Bilder. Und freue mich, Dich im Stadion zu treffen. Die Brillendamen unter sich …

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Wer mehr von Nadja lesen will, dem seien

ihr Buch

• zwei ihrer Blogs (Abenteuer Highlands und unknown legend)

• sowie ihr Twitter-Account ans Herz gelegt.

Über die Autorin

Sandra Walzer ist Fräulein mit Brille: Storyteller, Brillenbloggerin. Ich erzähle die Geschichten durch zwei Gläser gesehen und kämpfe gegen die Tücken und Flecken des Brillenträgerinnenalltags.

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