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Brillenträgerin des Monats 02/2016

Brillenträgerin des Monats Februar 2016: Comiczeichnerin, Autorin, Brillenträgerin

Nathalie Bromberger

“Ein Comic entsteht, wenn Wörter und Bilder heiraten.” Das steht zu lesen auf ihrer Website, ganz oben, ganz groß. Und dann ist sie auch schon zu sehen, und genau das ist, was ich mit Nathalie Bromberger in Verbindung bringe: Sie ist bunt und besonders. Und sie ist Comiczeichnerin und Autorin. Und natürlich ist Brillenträgerin, das allerdings noch nicht so sehr lange. Deshalb freue ich mich über ihre Erfahrungen und Erzählungen und habe sie zur Brillenträgerin des Monats Februar gekrönt. Das übrigens passt wiederum wunderbar zu ihr, denn eine Krone ist auch das Markenzeichen ihres eigenen Verlags. Den Zacken Verlag hat sie gegründet, weil … Ach. Am besten lest ihr selbst, zum Beispiel in ihrem wunderbaren Blog.

Du trägst seit einem Jahr Brille. Ich habe Dich vor, hm, ich glaube, mittlerweile drei Jahren kennengelernt, also ohne Brille – dafür aber bunt. Sehr bunt. Will sagen: Mir sind Deine farbenfrohen Outfits und Accessoires sofort aufgefallen und im Kopf geblieben. Wie schwer war es da, die (erste) Brille zu finden und auszusuchen?

Es war anders als erwartet. Ich wohnte da noch in Schleswig-Holstein auf dem Land und dementsprechend war die Brillenauswahl. Ich hatte mich auf stundenlanges Zweifeln und Anprobieren eingestellt, aber konnte in dem Laden keine einzige Brille finden, die ich auch nur aufsetzen wollte. Es gab nur massenweise dieselben Brillen: Viereckige oder ovale Metallicgestelle in Metallic-Farben. Während ich von einer Hornbrille oder einer bunten Riesenbrille geträumt hatte.

Irgendwann hab ich mich dann zum Glück in die hinterste Ecke des Ladens bewegt, wo die Herren-Brillen versteckt waren und da fand ich dann dieses Gestell, das mir auf Anhieb gefiel. Die Form ist irgendwie altmodisch, aber die Farbe hat es mir angetan, weil sie so gut zu meinen Haaren passt. Sie ist allerdings immer noch kleiner als ich sie gerne hätte, denn ich mag es nicht so, dass ich die Fassung in meinem Blickfeld hab. Auch wenn mir das immer weniger auffällt.

Das kenne ich gut; sicher sind auch deshalb meine Gestelle nach und nach immer größer geworden. Ein freies Sichtfeld ist sehr angenehm. Bei unserer gemeinsamen Textinen-„Kollegin“ Susi alias Texterella hast Du in Deinem wunderbaren „Frauen-ab-40-Interview“ erzählt, dass Du als junge Frau an keinem Brillenladen vorbeikonntest, ohne Dir schon mal vorbeugend welche auszusuchen. Was waren das denn für Modelle?

Schmetterlingsbrillen mochte ich immer, in rot, grün oder schwarz. Und Hornbrillen. Und es gab da auch mal so eine dicke viereckige schwarze Lackbrille. Sehr toll.

(Da fällt mir auf: Damit wärst Du ja voll in den Trends … Schmetterling ist 2016 gefragter denn je.) Das Modell, das Du jetzt hast, ist also eine Herren- bzw. Männerbrille (obwohl ich diese Unterscheidung ähnlich wie bei Armbanduhren ja auch noch nie so richtig nachvollziehen konnte). Bist Du glücklich damit? Wie hast Du sie gefunden?

Ich weiß auch nicht, was ich mir unter einer Männerbrille vorstellen soll. Egal: Ich bin sehr glücklich dem Teil. Auch mit dem Aussehen, aber vor allem mit der Funktion: Ich hatte erst so eine Lesebrille aus der Drogerie, aber es hat mich tierisch genervt, die immer auf und absetzen zu müssen, gefühlt alle paar Sekunden. Irgendwann kam ich dann auf die Idee, dass ich mir eine Gleitsichtbrille anschaffen könnte, bei der oben Fensterglas ist und unten eben die Lesebrille. Aber beim Sehtest stellte sich dann raus, dass ich auch ein bisschen kurzsichtig geworden war, ich hab jetzt also eine ganz normale Gleitsichtbrille. Und ich liebe sie sehr.

Nur ein Problem habe ich damit, nämlich, dass sie mir andauernd von der Nase fällt. Das liegt einerseits wohl daran, dass ich mich beim Arbeiten viel bewege, vom Stuhl aufspringe, Zeichnungen auf dem Boden sortiere, im Stehen zeichne und nach unten schaue. Andererseits hat die Brille aber auch ungünstige Bügel, die haben nämlich keine Verdickung am Ende. Jeden Tag fällt sie mindestens drei Mal. Weswegen sie auch schon ein bisschen zerkratzt ist. Da muss ich bei der nächsten Brille drauf achten.

Uh, autsch, Herunterfallen ist nicht schön. Ist mir bisher nur selten passiert … Da frage ich mich bzw. Dich aber erst recht: Warum dann nur eine? Noch keine weiteren „passenden“ Brillen gefunden?

Ich hab noch eine Sonnenbrille. Die ist aus dem selben Laden und für Sonnenbrillen gab es genau dieselbe Metallic-Auswahl an Gestellen. Alle auch viel zu klein für eine Sonnenbrille. Ich hab dann aber für 20 Euro eine schöne normale Sonnenbrille in dem Laden gefunden und mir da die geschliffenen Gläser einsetzen lassen.

Nathalie Bromberger bei Brillenfräulein Sandra Walzer

Jetzt wo ich wieder in Frankfurt wohne, komme ich ziemlich oft an Brillenläden mit sehr coolen Modellen vorbei. Und hier in deinem Blog hab ich auch schon eine Menge netter Brillen entdeckt. Ich fürchte, wenn ich mich einmal auf Brillenläden loslasse, bin ich nicht mehr zu halten.

Das Gefühl kenne ich, glaub mir. Wenn es doch mal soweit ist und ganz konkret wird: Wie und wo suchst Du? Ganz gezielt oder lieber spontan?

Spontan wäre mir am liebsten. Da mir aber so viele Brillen so gut gefallen, könnte ich dann jeden Tag mehrere spontan entdecken. Und so muss ich dann wohl doch systematisch an die Sache rangehen.

Du bist Comiczeichnerin. Und es gibt Nathalie als gezeichnetes Alter Ego. Du sagst, die illustrierte Nathalie hatte noch nicht die Brille, die zu ihr passt. Bist Du da mittlerweile weitergekommen? Warum gestaltet(e) sich das so schwierig?

Es hat damit zu tun, dass mir mein Alter Ego mit Brille zu vernünftig aussieht. Ich merke das auch, wenn ich andere Figuren zeichne: Weil ein Comicgesicht nur aus ein paar Linien besteht, fällt die Brille sehr ins Gewicht. Ich probiere gerade, ob ich die Brille nur halb zeichnen, sie mehr andeuten kann. Oder ob ich sie so vergrößere, dass sie lustig aussieht und nicht vernünftig.

Überhaupt, Comiczeichnerin. Das wird Dir ja nun nicht wirklich gerecht. Du bist außerdem auch Buchautorin und Verlegerin und Bloggerin und die Frau gewordene Inspiration mit Farbstift in der Hand. Wie ist diese Vielfalt denn mit Brille zu bewältigen? Setzt Du die Brille beim Zeichnen ab, beim Schreiben wieder auf, beim Basteln wieder ab, oder wie kann ich mir das vorstellen?

Das ist ja das Wunderbare an der Gleitsichtbrille, dass ich sie immer aufbehalten kann. Zum Glück ist sie auch sehr leicht.

Irgendwo auf Deinem wunderbaren Blog habe ich gelesen, dass zum Verlagführen auch gehört, „dass dabei Chaos entsteht, dass ich schmutzige Finger bekomme, dass der Kaffee schon wieder umfällt …“ Ich denke da an die Brille. Wie ist das? Mit schmutzigen Fingern, beim Basteln, mit Papier und Schere und Kleber und was alles dazugehört, aber samt und sonders Gift für Brillengläser ist?

Ja, meine Brille lebt gefährlich, allein schon, weil sie dauernd runterfällt. Schmutzig ist sie ständig, und gefühlt bin ich auch ständig am Putzen. Aber ich glaub, die Brille mag mich. Vor kurzem hab ich sie mit Tesafilm und Karton in eine Alien-Brille verwandelt und sie hat mir das nicht übel genommen.

Nathalie Bromberger bei Brillenfräulein Sandra Walzer Nathalie Bromberger bei Brillenfräulein Sandra Walzer

Aaaaw wie schön. “Die Brille mag mich.” <3 Aber weil Du von Tesafilm sprichst: Nicht nur beim Basteln lebt sie gefährlich, oder? Auch Farbstifte und Brillengläser vertragen sich doch sicher nicht so super, oder? Sag mal ehrlich: Hast Du manchmal den (offenen) Stift hinters Ohr geklemmt? Geht mit Brille nur so semi, finde ich … Aber vielleicht hast Du ja einen Tipp.

Ich hab mir auch vor der Brille nie was hinters Ohr geklemmt, wohl weil ich gern mit Tusche arbeite, einen tuschetriefenden Pinsel steckt man sich nicht so schnell hinters Ohr. Oder ich bin einfach nicht der Hinters-Ohr-Klemm-Typ.

Irgendwie habe ich bei Dir immer das Gefühl, Du malst Bilder mit Deinen Worten. Das versuchen wir Texterinnen ja alle, aber bei Dir gelingt es auf ganz besondere Weise ganz besonders schön. Daher meine Frage: Wie beschreibst Du Deine oder irgendeine Brille? Was für ein Bild malst Du zum Wort „Brille“?

Danke, das klingt schön! Ich glaube, ich denke immer in Worten und Bildern zugleich. Wenn ich an meine Brille denke, dann hab ich ein warmes Gefühl, weil sie mich rettet: Ohne sie könnte ich nicht arbeiten. Dessen bin ich mir besonders bewusst, seit ich einen Bericht über das Projekt One-Dollar-Glasses gesehen habe. Die Vorstellung, dass es in dieser Welt Menschen gibt, die sich keine Brille leisten können und deshalb nicht arbeiten können, ist schrecklich! Und ich bin sehr froh, dass ich zu den Glücklichen dieser Welt gehöre, die mit einer wunderbaren Gleitsichtbrille durchs Leben gehen können.

Da hast Du recht, und ich will unununbedingt über dieses Projekt bloggen. Habe davon auch vor Kurzem gelesen und will mehr wissen.

Wenn Du aufgefordert werden würdest, nur mal hypothetisch, etwas zum Thema Brille zu basteln. Was fällt Dir spontan ein?

Ich hab schon öfter zum Thema Brille gebastelt. Fürs Erfinderbuch eine Brille mit Regenwischer. (Die war technisch noch nicht ganz so durchdacht, leider, denn Fahrradfahren mit Brille im Regen ist doch eigentlich unmöglich. Oder gibt’s da einen Trick, den ich noch nicht begriffen habe?). Eine rosa Brille, um auszuprobieren wie das ist, den ganzen Tag mit einer rosa Brille rumzulaufen (es kommen Zeichnungen in sehr seltsamen Farben dabei raus).

Ich merke schon: Basteln, um auszuprobieren. Der Ansatz gefällt mir. Vielleicht sollte ich auch mal wieder zu Schere & Co. greifen … Einen Trick für die Brille bei Regen habe ich leider noch nicht, ich habe ja auf Deinen Erfindergeist gehofft 😉 Müssen wir wohl noch Geduld haben. Zum Schluss aber noch etwas aus ganz eigenem Interesse. Dein Mann ist Niederländer, und Du bist dem Land sehr verbunden. Ich war im Urlaub mal in Alkmaar und landete im „Brillesteg“. Bitte sag mir, dass das wirklich mit Brillen zu tun hat. Wenn nicht, sag’s mir nicht. Ok?

Doch, hat was mit Brillen zu tun. „Brille(n)“ bedeutet in Niederländisch ja auch Brille. In der Gasse war früher wohl auch mal ein Schild mit einer Brille drauf.

Brillesteeg Holland bei Sandra Walzer

Gibt es eine besondere Anekdote mit/über/aufgrund Deiner Brillen, die Du mir und den Lesern anvertrauen magst?

Als ich sieben war, war ich in den Ferien bei meiner Oma und hab sie zu ihrem Termin beim Augenarzt begleitet. Der hat die Gelegenheit genutzt und mir gleich eine Brille verpasst. Selbst fand ich mich damals ziemlich cool mit Brille, aber wenn ich mir heute die Fotos aus der Zeit anschaue … Damals gabs noch Krankenkassengestelle und meins war wohl der Ladenhüter. Nachdem ich wochenlang Kopfweh hatte, haben meine Eltern mich noch mal zum Sehtest geschickt und meine Augen stellten sich als ganz und gar in Ordnung heraus. Adieu Brille. Dass ich nach dieser Erfahrung dann als Jugendliche doch noch eine Brillenliebe entwickelt habe, ist seltsam.

Seltsam vielleicht, aber gut! Freut mich, dass wir diese Liebe teilen. Und ich freue mich, dass Du Deine Geschichten mit uns geteilt hast. Dankeschön.

 

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Über die Autorin

Sandra Walzer ist Fräulein mit Brille: Storyteller, Brillenbloggerin. Ich erzähle die Geschichten durch zwei Gläser gesehen und kämpfe gegen die Tücken und Flecken des Brillenträgerinnenalltags.

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