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Sandra Walzer, Fräulein Ideenfinderin

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Brillenträger des Monats 01/2016

Brillenträger des Monats Januar 2016: Starman, Unbeschreiblicher, Fastbrillenträger

David Bowie

Der Brillenträger des Monats ist gar keiner. Trotzdem habe ich ihm diesen Platz und die Rolle „Brillenträgers des Monats Januar 2016“ sehr gern gegeben. Das Interview dazu ist auch keines. Es sind Fragen, die die Antworten schuldig bleiben. Oder auf die ich mir selbst geantwortet habe, mir überlegt habe, was dieser Mensch wohl geantwortet hätte. Nicht, dass ich das auch nur ansatzweise wüsste. Denn dieser Mensch, der vielleicht gar keiner war, wer weiß das schon … Wer konnte ihn schon wissen. Ich weiß nur: Ich schätze ihn. Und bin sehr traurig über seinen Tod. Brillenträger des Monats Januar ist für mich David Bowie.

David Bowie, ich hätte Sie wirklich gern zu all Ihren Brillen befragt. Hätte gern Fotos von allen Modellen gehabt und Ihre Geschichten dazu gehört. Aber sagen Sie mir vor allem bitte eines: Waren Sie überhaupt Brillenträger? Auf die Sehhilfe angewiesen? 

Angewiesen war er wohl nicht darauf. Zumindest nicht, was die Sehstärke betrifft. Was interessant wäre zu wissen, ist, inwiefern ihm die getönten Brillen geholfen haben, weniger geblendet zu werden. Denn David Bowie hatte nicht, wie viele vermuten und wie man auf den ersten Blick schnell denken könnte, zwei verschiedenfarbige Augen. Sondern eine starre Pupille. 

David Bowie bei Brillenfräulein Sandra Walzer mit Etnia Barcelona Brille

Eine Schlägerei 1962 war schuld, die eine so schlimme Verletzung der Pupillenmuskulatur nach sich zog, dass die Pupille eben nicht mehr auf verschiedene Lichteinfälle reagieren konnte. Traumatische Mydriasis heißt das im Fachjargon, und fortan hatte er nun also diese Augen, die einen (mich) noch mehr als sowieso schon und überhaupt hypnotisierten. Riesengroß wirkt das linke Auge, und sehr viel dunkler als das rechte. 

Ich habe mal nachgelesen, ein wenig. Behandeln lässt sich eine solche Muskelschädigung nicht, oder? 

Nein; bei extremer Schädigung können auch Tropfen nichts mehr ausrichten. Ein chirurgischer Eingriff wäre möglich, dann wird die Pupille „enger genäht“. Das geschieht meist aber nur dann, wenn der Betroffene sich zu sehr geblendet fühlt. Weil eben immer, auch in sehr großer Helligkeit, das gesamte Licht ungefiltert auf die geweitete Pupille trifft.

Das also war möglicherweise der Grund für seinen Griff zur Sonnenbrille. 

Oder auch nicht?

Oder auch nicht. Genauso gut können die unzähligen Brillenmodelle auch Accessoires gewesen sein, perfekte Abrundung, i-Tüpfelchen auf dem Gesamtkunstwerk.

Schmale Metallbrillen hat er getragen und riesige Kunststoffbrillen, bunte und dunkle und helle, auffällige (klar) und unauffällige (die an ihm dann doch wieder auffällig wirkten).

David Bowie inside, Buch, Brillenfräulein Sandra Walzer

Wenn David Bowie irgendetwas konnte, dann sich selbst immer wieder neu erfinden und als etwas darstellen, dass es kein zweites Mal auf dieser Erde gab. Vermutlich nicht mal in diesem Universum. Oder in all den anderen. 

Der Starman eben … 

Ja, der Starman, Major Tom, Ziggy Stardust, der Mann vom Mars oder von sonstwo, von einem fremden Planeten, den wir nicht kennen. Wäre mal interessant zu wissen, ob es auf diesem Planeten nicht doch mehr von seiner Sorte gibt. 

Mr. Bowie: Ganz ehrlich. Rennen und tanzen und grooven irgendwo da draußen im Alles und Nichts noch mehr wie sie umher? 

Ich glaube, selbst wenn er das wüsste, er würde es nicht verraten. Denn auch das beherrschte David Bowie wie kaum jemand: sich aus der Öffentlichkeit heraushalten.

Glaubt man nicht, wenn man sich überlegt, wo überall dieser Mann (?) gekannt wurde, Nummer 1 Hits hatte, Platten verkaufte.

Dennoch – dass er Krebs hatte, dieses Arschloch Krebs, das wusste die Öffentlichkeit nicht. Was sie wusste, war: Er hatte Geburtstag, am gleichen Tag wie Elvis, dessen Musik er wohl sehr bewunderte und die ihn stark beeinflusste, wurde 69. 

Und veröffentlichte just an jenem Tag sein neues Album Blackstar. Überall in den Städten Plakate, weiße Poster mit schwarzem Stern. Irgendwo habe ich gelesen, es wirke jetzt wie ein einziges Tribute to Bowie. Ja, so fühlt es sich an. 

David Bowie Black Star bei Brillenfräulein Sandra Walzer

Ich hänge ja immer noch an Ihren Augen. Haben Sie die bewusst immer wieder in Szene gesetzt? Und warum? 

Eine der Fragen, die ich ihm wirklich gern gestellt hätte. Denn bei „David Bowie“ und „Augen“ denke ich sofort an das Heathen-Cover, und – natürlich – an den roten Blitz quer übers Gesicht, Aladdin Sane, Ziggy Stardust. Ihr habt das Bild vor dem geistigen Auge, nicht wahr? Wer nicht. Wer nicht … Und nicht erst seit seinem Tod, wahrlich nicht. 

David Robert Jones, Ich mag Sie sehr mit Brille. Wenn ich das mal so sagen darf. Aber was sind all die Brillen, Makeups und Kostüme, all die visuellen Dinge, wenn es doch Ihre Musik gibt. Danke dafür, und danke, dass Sie immer Sie selbst waren. 

David Bowie Buch mit Sennheiser Kopfhörer und Etnia Barcelona Brille

Vielleicht hätte er da gelacht und gefragt, sich oder mich, ob er das wirklich war. Immer er selbst. Was in den wilden Zeiten, im Drogenrausch, im Delirium gewesen ist, weiß ich nicht. Weiß nur er, und wohl auch nicht mehr alles. Aber so wirkte er auf mich. Als einer, der in keine Schublade passt, und dem die ganze Welt Respekt zollt. 

„If you can see me I can see you“

So heißt eine Liedzeile von Ihnen. Sehr gern hätte ich mich selbst davon überzeugt, live und in Farbe. Vor allem Letzteres. Bunt und schillernd wie sie waren. Haben Sie es gut, da, wo Sie jetzt sind. Ich werde noch eine Weile traurig sein. Und mich mit Ihren Liedern trösten.

 

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Über die Autorin

Sandra Walzer ist Fräulein mit Brille: Storyteller, Brillenbloggerin. Ich erzähle die Geschichten durch zwei Gläser gesehen und kämpfe gegen die Tücken und Flecken des Brillenträgerinnenalltags.

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