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Brillenträgerin des Monats 09/2015

Brillenträgerin des Monats September 2015: Journalistin, Bloggerin, Brillenträgerin

Mareice Kaiser

Mareice Kaiser ist, was ich eine wunderbare Frau nennen würde. Obwohl ich sie noch nie persönlich getroffen oder mit ihr telefoniert habe – aber der Kontakt mit ihr war und ist derart herzlich, und wenn ich sehe, was sie alles tut und schreibt und sagt und bloggt, dann, ja, dann passt mein Urteil schon ziemlich gut. Mareice mit dem schönen Namen und dem c in der Mitte hat mich angeschrieben, kurz nachdem das Brillenblog zum Leben erwacht ist und Ninia LaGrande Brillenträgerin des Monats war. Einfach so. Hat mich einfach gefragt, hey, hallo, wie wär’s denn mit uns beiden, und hat mir von sich erzählt. Spätestens nach drei Zeilen wusste ich: Jawohl, es wäre fein mit uns beiden.

So viel Spannendes, Interessantes, Lustiges, Wissenswertes aus ihrem Leben mit Familie und Brille und und und, hui! So sind wir also hier gelandet. Wenn Mareice nicht grade Fragen zu ihren Brillen beantwortet, schreibt sie zum Beispiel für ihr inklusives Familienblog Kaiserinnenreich. Und engagiert sich für geflüchtete Menschen. Und sie nennt sich singende Suppenköchin, Musikliebhaberin, Radiomacherin, Hamburgvermisserin, Kreuzbergerin, Wort- und Windelwechslerin, Denkerin, Ermutigerin und vor allem: Macherin und Mama.

Mareice: Hurra, es ist schön, dass wir uns kennengelernt haben, und dass Du mir über Deine Brillen erzählst. Wie viele Brillen hast Du denn überhaupt?

Viele. Vier Brillen, mit denen ich sehen kann. Eine Sonnenbrille, mit der ich sehen kann. Und fünf Sonnenbrillen, mit denen ich nur gut aussehe – aber nichts sehe. Die sind aus der Zeit, in der ich hauptsächlich Kontaktlinsen trug.

Ha, oh weia, die kenne ich auch noch, die Sonnenbrillen zum Nichtsehen. Welches ist von diesen vielen Dein Lieblingsmodell – und warum?

Seit einem halben Jahr ist es eine eher schlichte Brille mit transparentem Rahmen, sie hat sogar einen Namen: „Off the record“. Vorher habe ich ein anderes Modell getragen, das ich in drei Farben auf meiner Nase trage. Die haben alle den gleichen Namen, „Jean-Claude“, aber unterschiedliche Farben. An Jean-Claude hatte ich mich vor nem halben Jahr satt gesehen.

Nun trage ich so gut wie immer die transparente Brille. Für die Fotos habe ich die „alten“ aber mal wieder rausgekramt. Die graue werde ich vielleicht auch mal wieder tragen.

Bitte unbedingt! Ich mag die graue wirklich gern. Wobei, hm, eigentlich mag ich alle Deine Modelle gern. Welche Stärke haben denn Deine Gläser?

Es reicht auf jeden Fall dafür, dass Optiker_innen mich immer mitleidig anschauen, wenn sie Brillengläser für mich anpassen. Die Gläser müssen immer besonders geschliffen werden, damit ich nicht mit Glasbausteinen auf der Nase rumlaufen muss. Kontaktlinsen kommen daher leider auch nicht wirklich in Frage, weil ich zusätzlich zu den Dioptrien auch noch eine Hornhautverkrümmung habe, die Kontaktlinsen leider nicht ausgleichen können.

Ich finde das ungerecht, denn ich liebe zwar Brillen – hätte aber gerne die Wahl, ob ich sie trage oder nicht.

Und mit einem Sprung mal etwas ins Detail, weil ich ja aus unseren Mailwechseln schon so ein bisschen was weiß: Wie hast du Deinen „Stammladen“ gefunden?

Durch einen Zufall kam ich vor einigen Jahren in den Laden Lunettes. Ich hatte vorher immer Probleme, passende Brillen gefunden, weil ich eine relativ schmale Nase habe und die Brillen immer auf meinen Wangen saßen. Wenn ich dann gelacht habe, sind die Brillen immer verrutscht.

Und natürlich will ich mit einer Brille lachen können! Uta, die Inhaberin von Lunettes, hat das Problem gleich erkannt und mir ausschließlich die passenden Modelle in die Hand gedrückt. Seitdem hat sie eine Stammkundin mehr.

(Muss ich mir merken: Lunettes. Ist notiert.) Seit wann trägst Du überhaupt Brille?

Seitdem ich denken, also lesen, also beides kann. Ich erinnere mich noch an meine erste Brille und den Moment, als ich mit ihr auf der Nase den Brillenladen verließ. Die Erde hatte irgendwie eine andere Krümmung, ich hatte große Sorge, zu stolpern. Als ich mich dann an die Brille gewöhnt hatte, entdeckte ich plötzlich neue Details in der Welt.

Mareice Kaiser als Brillenträgerin bei Sandra Walzer

Du bist zweifache Mutter. Ich kenne das nur vom Gassigehen mit tief gebautem Dackel, da rutscht schnell was, oder es landen Nasenabdrücke drauf, oder Zungentapser. Wie ist es mit Kindern und Brille – welche Probleme gibt es? Was nervt Dich?

Kinder, gerade kleine Babies, lieben Brillen. Leider so sehr, dass sie sie gern von der Nase reißen. Das ist manchmal nervig und meistens lustig. Meine große Tochter ist stark sehbehindert und ihre Physiotherapeutin sagte mal zu mir und ihrem Vater (der damals eine große, schwarze Brille trug): „Sie hat so ein Glück, dass sie Eltern mit so viel Kontrast in den Gesichtern hat!“

Ok, das ist interessant. Habe ich noch nie gehört und freue mich grade sehr, etwas Neues zu lernen. Viel Kontrast im Gesicht … Klingt sehr logisch, irgendwie. „Kaiserin 1“, Deine fast 4-jährige Tochter, trägt ebenfalls Brille. Wie ist es so im Alltag, Kind plus Brille? Gerade auch, weil Kaiserin 1 neben der Brille zudem einen Chromosomenfehler hat, der sie, soweit ich als Laie das beurteilen kann, immer mal wieder beeinträchtigt bzw. von Dir besonderen Einsatz verlangt.

Stimmt, ihre Sehbehinderung ist eher eine Lappalie im Gegensatz zu den gesundheitlich bedrohlichen Beeinträchtigungen, die sie mit auf die Welt brachte. Irgendwann wurde uns empfohlen, eine Brille für sie zu besorgen. Ganz naiv dachte ich: „Das wird wohl die Krankenkasse zahlen.“ Aber nichts da – bis auf einen minimalen Betrag mussten wir das Geld für ihre Brille selbst berappen.

In Hamburg, wo wir damals lebten, gibt es sage und schreibe einen Brillenladen, der auf Brillen für Kinder spezialisiert ist. Dort gibt es eine ganze Etage nur für Kinder und eine große Auswahl an Modellen. Je kleiner allerdings das Kind, desto kleiner die Auswahl. Letztendlich gab es nur ein Modell, das in Frage kam und wir konnten uns nur die Farbe aussuchen.

Autsch, ok. Ich dachte, das sei “heutzutage” viel besser geworden, vielleicht auch durch diesen Harry-Potter-Hype. Schade, dass das zumindest in Hamburg wohl noch nicht so ganz angekommen ist. Oder damals war. Apropos Hamburg, da regnet es ja gerne mal, und gerne öfter. Auch, wenn Du mittlerweile nicht mehr dort lebst, interessiert mich: Wie stellst du Deine Ouftits zusammen, erst Brille, dann Rest, oder umgekehrt? Oder nach dem Motto „grade egal, nehme was kommt“?

An die Brille denke ich dabei selten bis gar nicht. Ich checke morgens die Wettervorhersage und entscheide dann, was dazu passt. Wegen der Brille verzichte ich weitgehend auf Schmuck. Das ist mir oft zu viel mit Brille. Lieber Lippenstift statt Kette.

Noch mal zu Job und Familie und Stress. Wie gehst du mit Deinen Brillen um? Wie oft wechselst Du? Wie putzt Du?

Bei der Frage bekomme ich gleich ein schlechtes Gewissen. Dafür, dass die Brillen wegen der herausfordernden Gläser so teuer sind, gehe ich schlecht mit ihnen um. Und meine Kinder auch, die schleudern sie einfach auf die Erde oder setzen sich drauf.

Mal ehrlich: Gibt es Momente, in denen Du Dir wünschst, keine Brille zu brauchen?

Immer im Herbst und Winter, wenn ich vom Fahrrad steige und in einen Laden oder ein Lokal gehe. Oft beim Ausgehen, Tanzen, wenn Kälte und Wärme aufeinander treffen und die Gläser beschlagen. Das nervt. Es gibt aber auch eine Situation, in der ich es besonders liebe, schlechte Augen zu haben: Im Schwimmbad. Ich setze meine Brille dort nämlich immer ab und stelle mir dann vor, die anderen Menschen sehen mich auch so, wie ich sie. Mit Weichzeichner-Filter. Damit sind nämlich alle Menschen schön.

Das ist ein wahrer Aspekt. Werde ich mir merken für den nächsten Schwimmbadbesuch. Mir fällt es sonst eher schwer, wenn ich nicht scharf sehe, ich habe dann Angst, ich könne mir bekannte Menschen übersehen und als arrogant eingestuft werden. Oder ich kollidiere mit irgendwas oder irgendwem … Aber die Menschen “schön gucken”? Gar nicht so schlecht.

 

Liebe Mareice: Danke für Deine Antworten. Ich bin mir sicher, das war nicht unser letzter Kontakt in Sachen Brille, und auch nicht ohne. Vielen Dank für Deine Zeit, trotz der vielen Turbulenzen und Aufgaben und Projekte, die Du grade stemmst. Grüß Deine Familie von mir.

 

Mehr:

Wer bei diesen lesenswerten Antworten Lust bekommen hat, mehr von Mareice zu erfahren, der kann das sehr gerne und ausführlich:

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Über die Autorin

Sandra Walzer ist Fräulein mit Brille: Storyteller, Brillenbloggerin. Ich erzähle die Geschichten durch zwei Gläser gesehen und kämpfe gegen die Tücken und Flecken des Brillenträgerinnenalltags.

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