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Brillenträger des Monats 08/2015

Brillenträger des Monats August 2015: Küchenchef, Vater, Brillenträger

Nils Henkel

Nils Henkel ist Koch, und genau genommen ist das die Untertreibung mindestens des Jahres. Er ist Küchenchef, und für mich ist er ein Zauberer am Herd, ein Künstler am Teller und einer, der mit unglaublich viel Respekt vor dem Produkt, dem Handwerk und den Menschen ans Werk geht. Liebe zum Detail erfährt hier eine neue Dimension, und mit seinem Werdegang ist das auch kein Wunder. Mit seinem Konzept “Pure Nature” hat er seinen ganz eigenen Stil gefunden. Er serviert seinen Gästen eine neue deutsche Küche, souverän, kreativ, frisch, überraschend und dabei nie überfordernd. Die Jahreszeiten finden ihren Weg auf seine Teller, oft stehen alte Gemüsesorten und wilde Kräuter aus der Region im Mittelpunkt. Fisch und Fleisch werden da oft – wenn überhaupt – zur Begleitung. Und bei seinem Menü “pures Gemüse” verzichtet er komplett auf Fisch und Fleisch, ohne dass man irgendetwas vermissen würde.

2009 zeichnete ihn der Gault Millau als Koch des Jahres aus; 2010 erschien sein Kochbuch “Pure Nature” (übrigens ein wunderbares Buch mit tollen Fotos und feinem Konzept). 2012 kürte ihn das Branchenmagazin RollingPin im Rahmen der Leaders of the Year Awards zum Koch des Jahres. Zwischenzeitlich mit drei Michelin Sternen honoriert ist er für mich das, was ich einen “modernen Koch” nenne – auch wenn ich das vielleicht nicht als Profi beurteilen kann. So oder so: Ich durfte schon mehrfach Gerichte von ihm genießen, und das war jedes Mal unbeschreiblich gut. Aber auch, wenn das eher zum Augenschließen ist: Hier geht es um die Brille. Und da Nils Henkel Brillenträger ist, stellten sich mir gleich mehrere Fragen, die ich an ihn weitergeben durfte.

Lieber Nils: Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen und den Kochlöffel für eine Weile beiseite gelegt hast. Du bist Koch, oder besser: Küchenchef. Ich kenne das von der Spülmaschine und den dampfenden Töpfen zu Hause – wie geht es Dir mit Brille beim Kochen? Beschlägt sie oft? Und was tust Du dagegen? 

Klar, das ist das klassische Problem. Manchmal muss ich eben den Kopf vom Kochtopf schnell wegziehen und Brille putzen. Auch längere Besuche im Kühlhaus sind blöd, die Gläser beschlagen sofort, wenn ich wieder in die Küche komme. Aber so schlimm ist es gar nicht, sonst würde ich mittlerweile wohl eher Linsen tragen.

Wie gehst Du mit der Brille um, wenn sie rutscht? Ich denke an fettige Finger, oder einfach keine freie Hand, oder scharfe Messer in den Händen …

Meine Brille ist glücklicherweise so leicht, dass sie selten rutscht. Oft spüre ich sie gar nicht mehr.

Sicherst Du die Brille sonst irgendwie? Nicht, dass sie irgendwann aus Versehen in die Sauce fällt …

Nein, gar nicht. Meine Brille sitzt wie angegossen und ist glücklicherweise auch noch nicht ins Essen gefallen.

Nils Henkel beim Anrichten in der Küche, als Brillenträger bei Sandra Walzer

Da sieht man, wie wichtig ein guter Sitz ist. Ich habe da ein paar Modelle, die schlicht zu groß und zu schwer wären. Du dagegen hast eine nicht allzu schwere/massive Brille, soweit ich weiß. Da ist die Temperatur in der Küche kein Problem, oder? Mich würden meine Brillen wahnsinnig machen …

Ich trage seit vielen Jahre eine Silhouette aus leichtem Titan mit randlosen Gläsern. Ich nehme die Brille kaum wahr, sie drückt nicht, sie rutscht nicht und ich kann auch ohne Probleme Sport damit machen.

Hast Du die Brille danach ausgesucht, dass sie für den Job praktisch sein sollte? Oder war das zweitrangig?

Eigentlich war die Optik ausschlaggebend, ich wollte gern eine Brille, die nicht so dominant ist. Früher hatte ich ganz verschiedene Gestelle und habe heute eine ganze Schublade mit Brillen. Ich habe mich an diese leichte Art von Brille aber so gewöhnt, dass eine normale Brille fast wie ein Fremdkörper wirkt.

Gehen wir mal an das “Grundsätzliche”. Seit wann trägst Du überhaupt Brille? In welcher Stärke?

Ich trage seit meinem 10. Lebensjahr eine Brille. Ich konnte in der Schule nicht mehr lesen was an der Tafel stand und habe einfach vom Nebenmann abgeschrieben. Mir wollte nicht in den Kopf, dass ich eine Brille bräuchte. Dann hat mein Bruder einfach spaßeshalber in der Praxis unseres Vaters (Allgemeinarzt) einen Sehtest gemacht und ich konnte kaum etwas lesen. Er hatte seinen Spaß und ich seine alte Brille, ich war nicht begeistert.

Heute habe ich links -3.00 (späh) und -1.25 (cly) und Achse 15 – rechts -3.00 (sph) und -2.25 (cly) und Achse 178.

Silhouette von Nils Henkel, Brillenträger des Monats bei Sandra Walzer

Trägst Du auch Kontaktlinsen? Wenn ja: In welchen Situationen?

Ich trage manchmal Tageslinsen, wenn ich weiß, ich mache Sport und gehe in die Sauna. Oder aber im Sommer, wenn ich eine Sonnenbrille ohne Stärken trage. Früher habe ich meine Brille auch schon mal mit in die Sauna genommen, weil es ja auch nicht überall Brillenablagen gibt. Was ich nicht wusste, dass sich ab 80°C zu oberste Kunststoffschicht der Gläser zu verformen beginnt, war keine gute Idee 🙁

Oha. Das fühlt sich nach einem extra Blogartikel an, Brillentemperaturen. Guter Hinweis, danke. Gibt es eine denn eine besondere Anekdote mit/über/aufgrund Deiner Brillen, die Du mir und den Lesern anvertrauen willst? Peinlich, lustig, ärgerlich, besonders … egal, ich nehme alles.

Da gibt es keine besonderen Vorkommnisse, außer ich trage mal ein ganz anderes Gestell. Das mache ich selten, aber dann denken manche Leute, ich trage überhaupt erst eine Brille. Viele nehmen meine Brille, die ich täglich trage gar nicht mehr wahr. Ausnahme sind unsere beiden Töchter, die hatten gerade im Alter, wo sie gezielt greifen lernten, einen Heidenspaß gehabt, mir meine Brille von der Nase zu ziehen. Immer wieder und dann muss man schnell sein um das gute Stück vor dem Verbiegen zu retten …

Du gehst laufen in Deiner Freizeit. Hast Du eine Sportbrille? Oder wie machst Du das?

Nein gar nicht, ich laufe auch mit meiner normalen Brille. Die sitzt perfekt und stört durch ihre Leichtigkeit gar nicht. Manchmal trage ich auch eine getönte Sportbrille, aber nur wenn es sonnig ist.

Obwohl so “unauffällig”, ist die Brille Dein Markenzeichen. Hast Du trotzdem mal über eine Alternative nachgedacht?

Klar, ich schaue mit gerne auch andere Modelle an, aber ich bin sehr an diese Leichtgewichte gewöhnt. Auch jetzt, bei den aktuellen Gläsern bin ich dem Gestell treu geblieben.

Hast Du eine Zweitbrille, falls dieser mal etwas passiert?

Ja, habe ich, eine mit halbrandlosem Gestell und noch ein paar weitere mit nicht mehr ganz aktuellen Gläsern. Die trage ich auch ab und zu, wenn ich Lust drauf habe.

Du bist häufig unterwegs. Wie ist es im Flieger mit Brille? Ich finde das auf längeren Reisen, wenn man mal die Augen zumachen will, immer lästig. Wohin damit, dass sie nicht runterfällt, dass ich sie gleich wiederfinde, …

Ganz einfach, ich lasse sie einfach auf der Nase und mache trotzdem die Augen zu. So stört mich ja nicht und da sie so leicht ist, würde ich das Herunterfallen kaum bemerken.

Im Job brauchst Du eine ruhige Hand und Fingerspitzengefühl für hochwertige Produkte. Hand aufs Herz: Gehst Du mit Deiner Brille genauso gut um?

Meistens schon, aber ich gebe zu, die Gläser auch nicht immer mit dem idealen Tuch zu putzen. Aber in der Küche muss man manchmal zwischendurch putzen, da immer etwas Fett in der Luft liegt.

Küchenchef Nils Henkel

Küchenchef und Kräuterzauberer

Über das gute und effektive Putzen wird es bald einen Blogbeitrag geben – das nur schon mal als Hinweis 😉 Du bist Nordlicht. Mal ehrlich: Regen und Brille, das ist doch Mist. Wie erträgst Du das, oder hast Du als „Ureinwohner“ vielleicht sogar einen Tipp, wie man bei Wolkenbruch trotzdem sehfähig bleibt?

Ja, Regen nervt schon, manchmal wünsche ich mir Scheibenwischer, gerade wenn ich bei Regen meine Laufrunde drehe. Aber da muss man hält durch. Im Februar war ich auf den Lofoten zum Skrei-Angeln, da gab es ein konsequentes Brillenverbot für die Teilnehmer an Bord. Und war ausnahmsweise mal dankbar mit Linsen unterwegs zu sein.

Apropos froh: Was nervt Dich am Brilletragen?

Das Beschlagen oder Nassregnen. Das wechseln mit der Sonnenbrille während der Autofahrt. Fettige Gläser. Und dass ich überhaupt eine Brille benötige. Aber ansonsten trage ich meine Brille sehr gerne.

Welches sind die größten Probleme, die Du mit Brille hast?

Sie von der Nase zu nehmen und irgendwo abzulegen, in der Sauna zum Beispiel. Ohne Brille fühle ich mich unsicher.

Du wirst häufig fotografiert und porträtiert, stehst immer wieder vor Kameras, ob Foto oder Film. Wie ist es da mit Brille? Stört sie? Achtest Du darauf, dass sie sauber ist? Ärgert Dich, wenn auf dem Ergebnis dann Spiegelungen o. Ä. zu sehen sind?

Da gibt es selten Probleme und ja, ich achte auf saubere Gläser. Spiegelungen sind selten, ich habe die Gläser auch so gut es geht entspiegeln lassen. Die Fotografen hätten die Brille manchmal gern etwas weiter nach oben gerückt, da die Gläser auch recht schmal sind, das geht aber leider nicht.

Und wichtig ist ja vor allem nicht so sehr das, was auf dem Papier landet, sondern das auf dem Teller. Ich hoffe sehr, bald mal wieder in den Genuss kommen zu dürfen. Dir noch einmal vielen Dank und alles Gute für Dich und Deine Lieben.

 

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Wer jetzt Appetit bekommen hat – mehr von Nils Henkel gibt es

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Über die Autorin

Sandra Walzer ist Fräulein mit Brille: Storyteller, Brillenbloggerin. Ich erzähle die Geschichten durch zwei Gläser gesehen und kämpfe gegen die Tücken und Flecken des Brillenträgerinnenalltags.

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