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Sandra Walzer, Fräulein Ideenfinderin

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Abenteuer Arbeitsplatzbrille (2)

Willkommen zurück, und willkommen zum zweiten Teil meines Abenteuers. Mittlerweile war ich also zur Beratung bei der Optikerin. Dass ich mir aus einer Eingebung heraus und in weiser Voraussicht einen Termin geben ließ, war nicht meine schlechteste Idee. So konnte sie sich darauf einstellen, dass ich zu Besuch komme, der entsprechende Raum war frei und ich wusste von vornherein, dass ich „bitte Zeit mitbringen soll“.

Besuch beim Ooohptiker

Das habe ich getan, und bei etwa 35 Grad Außentemperatur bin ich mit meiner schwarzen (heißen, rutschenden! GNARF!) Graz und Druckstelle auf der Nase durch die Innenstadt geirrt. (Der aufmerksame Leser weiß, dass die hiesige nähere Stadt momentan, sagen wir, die eine oder andere Baustelle bereithält. Direkte Wege sind seit Jahren und für Jahre nicht mehr möglich, Pfadfindertalente sind hoch im Kurs.)

Aber auch ich als personifizierte Fehlorientierung fand schließlich an mein Ziel. Was mich erwartet hat, war vor allem ein cooles Ambiente, sehr modern eingerichtet, frisch grün und für mich als Designliebhaber mit Sinn für Ästhetik eine Wohltat. Ooooh. Ob es am Mittwochvormittag lag, dass außer mir sonst niemand länger im Laden war, weiß ich nicht – aber das empfand ich als angenehm. Die Stimmung war ruhig und locker, trotzdem professionell und zurückhaltend. Ich mag es generell etwas „offener“ und weniger ernst, aber nun, das ist nur persönliche Präferenz. Zudem kannten mich die beiden anwesenden Optiker-Mitarbeiterinnen nicht, klar, dass da erst einmal das seriöse Kundengespräch im Vordergrund steht. Aber es soll hier um Brillen gehen, also:

Ab zu den Brillen

Zunächst wurden alle relevanten Fakten abgefragt, ob ich mit meinen „normalen“ Brillen denn Probleme während der Arbeit am Rechner und Schreibtisch habe, welche das sind, was ich mir von einem neuen Modell verspreche … All diese Dinge wurden abgestimmt. In Kurzfassung: Echte Probleme beim Sehen habe ich mit meinen Brillen nicht; aber die Augenarbeit wird schnell anstrengend, die Brille zu schwer, der Kopf schmerzt. Gut möglich, dass das a) am Bildschirm bzw. den verschiedenen Geräten liegt (Rechner, Smartphone, Tablet, Laptop) und b) am steten Wechsel zwischen Bildschirm und Schreibtisch, wo ich viel mit Papier und Stift arbeite. Sehr oft ziehe ich die Brille tagsüber ab und lege sie beiseite, was mich aber wiederum schnell nervt, weil ich dann zu nah am Bildschirm klebe … Ein Teufelskreis. Dann habe ich ein bisschen was über mögliche Gläser und deren Entspiegelung und einen Filter für das blaue Bildschirmlicht erfahren, bevor wir zum Messen übergegangen sind. Die neu gemessenen Werte entsprachen etwa den seit Jahren verwendeten – immerhin, die erste Erleichterung. Ich sah mich schon viiiiiiele teure Gläser ersetzen … Dann bekam ich eine Leseprobe in die Hand und musste in der Nähe testen (als ob ich z. B. eine Zeitschrift oder ein Buch oder eben auf dem Smartphone lese), Gleiches dann etwas weiter weg, also ungefähr in Monitordistanz. Hm. Noch einmal die anderen Gläser, wieder nah und etwas weiter weg. Hmm. Näher war schärfer und angenehmer.

Der gleitende Blick auf den Block

Schließlich die Frage der Optikerin: Ob ich Erfahrung mit Gleitsicht habe? Nein, aber klar, schon oft gehört. Gleitsicht, „später mal“, „oh je, schwere Gewöhnung, Schwanken auf der Treppe, Schwindel“. Örks. Sie meinte, ich sei „eigentlich zu jung für die volle Gleitsicht“, das würde erst mit Mitte 40 interessant. Naja, so schrecklich lange ist das nun auch nicht mehr entfernt … Trotzdem: Das tut nicht Not, wohl. Noch nicht. Stattdessen ihre Idee, eine leichte Gleitsicht zu nehmen, “erste Stufe”. In die Ferne meine normale Stärke, in die Nähe etwas weniger. Also mehr. Nein, weniger. Hä? Wie jetzt? Na: So, dass der Blick auf den Block angenehm ist und die Augen das nicht jedes Mal justieren müssen. Entspiegelte gefilterte Gläser sollten es also werden, plus leichte Gleitsicht. Soweit, so spannend. Dann ging’s an die Gestelle. Laut getönt habe ich, dass ich da sicher keine Probleme haben werde. Doch siehe da: Uff! Haha. Das war schwieriger als gedacht.

Denn diesmal ging es in erster Linie um praktisch und nicht zu schwer, nicht um schön. Das auch, aber eben erst im zweiten Schritt. Eine harte Herausforderung für mich. Ich probierte und probierte, und schließlich hielt ich ein fuchsia-dunkel-pinkes (für die Herren: rosa) Modell in der Hand und auf der Nase. Jawohl, die soll es werden. Weil sie extrem praktische Bügel hat, äh … wie war der Ausdruck? Ich weiß es nicht mehr und nenne es als Laie mal „klappbar“. Die Bügel lassen sich nach außen „biegen“ und auf diese Art sehr einfach und angenehm aufsetzen. Grade mit Dreads ein nicht zu unterschätzender Vorteil (da verhaken sich Brillenbügel nämlich gern mal). Das Label ist ein kleines spanisches, das ich – man höre und staune – noch nie gehört oder bewusst gesehen hatte. Etnia Barcelona heißt es.

Wer nochmal?

Selbstverständlich habe ich, wieder zu Hause, gleich nachgeschaut, wer mir da bisher entgangen ist. Toll an Etnia Barcelona: zu 100 Prozent umweltfreundliche Acetate, die aus organischen Bestandteilen hergestellt weren und die vollständig wiederverwertbar und biologisch abbaubar sind. Dazu nennen sie sich „Vorreiter in Farben“, viele Gedanken und Überlegungen zu den über 500 Farben und Nuancen gibt es da. Ihre Brillen gehören angeblich „zu den bequemsten der Welt“, na, da bin ich gespannt. (Oh! Ich lese auf der Website grade, „intelligentes Federscharnier“. Das ist dann wohl, was ich mit klappbaren Bügeln meinte.) In Barcelona sind sie zu Hause, in Hongkong, Miami und Vancouver haben sie Shops. Zack, das war’s. Sonst nirgends. Habe ich erwähnt, dass ich das sehr mag? Solche Labels zu entdecken? <3

„Etnia Barcelona kreiert seine Geschichte durch Kooperationen mit Mythen der Kunst und Fotografie weltweit.“

So sagen sie selbst von und über sich. Alles in allem klingt das nach einem Label, von dem ich mich freue, es auf der Nase zu tragen – und das jeden Tag viele Stunden. Das Beste: Die neue wird keine reine Arbeitsplatzbrille sein. Ich kann sie auch „draußen“ tragen, weil normale Stärke im oberen Teil. Und ob mir dann der Gleitsichtteil unten sogar hilft beim Smartphonegucken … Wer weiß. Ich werde es herausfinden. Mit dem Versprechen, dass ich das gute Stück in etwa zehn Tagen abholen kann, bin ich also wieder hinaus in den Gluthitzensommer in der City. Vorfreudig.

Über die Autorin

Sandra Walzer ist Fräulein mit Brille: Storyteller, Brillenbloggerin. Ich erzähle die Geschichten durch zwei Gläser gesehen und kämpfe gegen die Tücken und Flecken des Brillenträgerinnenalltags.

Kommentare

  • Nelja
    20. Juli 2015

    Genau so was hab ich mir für meinen Amtsarbeitsplatz anfertigen lassen. Gesehen habe ich mit meiner alten Gleitsicht da schon, aber die war für für Verbandwechsel + den Leuten ins Gesicht gucken + auf die Doku gucken gemacht und passte jetzt nicht mehr auf Akte – Tastatur – Bildschirm.
    Also ich liebe Gleitsicht. Obwohl ich für die Ferne nichts (mehr) brauche, lohnt sich das für die unterschiedlichen Nahbereiche, wenn man lange dran sitzt. Ich gehe jedenfalls ohne Nackenschmerzen aus dem Amt. So, wie es sein soll.

    Grüße! N.

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